Wien. "Ich bin stolz auf meine Kolleginnen und Kollegen. Wir alle haben bei null angefangen und leiten jetzt ein Hotel", sagt Antonio Piani. Piani ist vor elf Jahren aus dem Iran geflohen, hat in Österreich eine Ausbildung als Elektroanlagen-Techniker absolviert, und ist heute im Hotel "magdas" als Hautechniker beschäftigt. Er ist einer von 20 Mitarbeitern mit Flüchtlingshintergrund, die gemeinsam mit zehn Hotelprofis das Zwei-Sterne-Hotel in der Laufbergergasse 12 am Rande des Praters führen.

"magdas" ist hinter den Kulissen kein Hotel wie jedes andere - es ist ein Social-Business-Projekt der Caritas "Es ist ein Mutmacherprojekt, ein Leuchtturm", sagt Klaus Schwertner, der Geschäftsführer der Caritas der Erzdiözese Wien bei der gestrigen Bilanzpressekonferenz, der auch eine schrittweise Öffnung des Arbeitsmarktes für Asylwerber nach sechs Monaten fordert. Nachsatz: ",magdas‘ zeigt, dass wir nichts zu verlieren, sondern viel zu gewinnen haben. Wir glauben, dass ein Projekt wie dieses möglich ist, da es sozial sinnvoll und wirtschaftlich erfolgreich ist."

Zimmeranzahl wird erweitert


Die Bilanz kann sich sehen lassen. Trotz Startschwierigkeiten in den ersten beiden Monaten lag die durchschnittliche Auslastung bei 55 Prozent, in den tourismusstarken Monaten September und Oktober bei 80 Prozent. 22.000 Gäste übernachteten im "magdas" und das Hotel kann auf sehr gute Bewertungen - unter anderem 8,4 auf der Online-Plattform booking.com - verweisen.

Die Pläne für 2016: Ab März wird die Zimmeranzahl um zehn auf insgesamt 88 erweitert. Weiters soll die Werbetrommel für die Frühstücks- und Brunchangebote sowie für den neuen orientalischen Imbiss gerührt werden.

"Wir sind in Deutschland bekannter als hier im Grätzel. Es ist auch eine wahre Kunst, dass Spaziergänger den Weg zu uns finden, da in der Prater Hauptallee keine Werbeschilder angebracht werden dürfen", sagt Gabriela Sonnleitner, die Geschäftsführerin von "magdas Social Business".

Sonnleitner und ihr Team machen mit dem Hotel-Projekt Menschen mit Fluchthintergrund fit für den Arbeitsmarkt. "Wir sind keine Zweigstelle des Himmels auf Erden, wir führen ein Hotel wie jedes andere auch. Der Job ist nicht leicht, sondern anspruchsvoll", so Sonnleitner.

Die 20 anerkannten Flüchtlinge stammen unter anderem aus Syrien, Afghanistan und Tschetschenien. Drei von den 20 Hotelmitarbeitern absolvieren eine Lehre zum Hotel- und Gastgewerbeassistenten, heuer werden weitere zwei Lehrlinge aufgenommen. "Für viele kommt jedoch eine Lehre nicht in Frage, da sie finanzielle Einbußen haben und mit der Lehrlingsentschädigung ihre Familie nicht ernähren können. Wir lernen die Menschen im Job an, so dass sie auch eine Chance haben, in anderen Hotels zu arbeiten", erzählt Sonnleitner bei einem Rundgang durchs Haus. Jedes Zimmer sieht anders aus: schlicht und mit Vintage- und Upcycling-Möbeln ausgestattet; ein Paradies für Design-Liebhaber.