"Wiener Zeitung:" In Wien und im Burgenland gibt es die meisten übergewichtigen Menschen, in Vorarlberg die wenigsten. Was ist Ihrer Meinung nach die Ursache für dieses Ost-West-Gefälle?

Alexander Klaus: Dieses Phänomen kann man auch in anderen Ländern wie etwa in Italien erkennen. Das hängt mit der Lebensgewohnheit und der Ernährung zusammen. Auch soziale Einflüsse und städtisches Verhalten spielen natürlich eine Rolle.

Ist Übergewicht ein urbanes Problem?

Ja, sicher. Ich denke, dass man in der Stadt einerseits eine gewisse Bewegungsarmut hat. Andererseits gibt es ein anderes Ernährungsangebot. Man weiß aber auch, dass in Familien, in denen die Eltern übergewichtig sind, für die Kinder ein höheres Risiko besteht, übergewichtig zu werden. Der Umkehrschluss ist falsch. Man kann nicht sagen, dass ein übergewichtiges Kind aus einer übergewichtigen Familie kommt. Viele Patienten, die krankhaft übergewichtig sind, kommen auch aus sozial schwächeren Verhältnissen. Viele Lebensmittel, die hochkalorisch und ungesund sind, sind auch günstiger.

Zurück zum Ernährungsangebot in der Stadt: Stellen die Fast-Food-Stände, die an jeder Ecke zu finden sind, ein Problem dar?

Meiner Meinung nach ja. Ich glaube auch, dass man den Beweis dafür antreten kann, wenn man einen Blick in die USA wirft, wie sich dort das Übergewicht verändert hat. Dort gibt es keinen einzigen Bundesstaat mehr, wo nicht zumindest ein Drittel der Bevölkerung adipös ist. Ich rede nicht von Übergewicht, sondern von Adipositas. Jeder Dritte in den Vereinigten Staaten weist einen Bodymass-Index von zumindest 30 auf.

Wie ist die Entwicklung in Wien?

Auch in Wien, eigentlich in ganz Österreich, gibt es eine Zunahme von Patienten, die übergewichtig sind.

Wo könnte hier der Hebel angesetzt werden?

Prävention in Kindergärten und an Schulen ist sehr wichtig. Das fängt bei ganz einfachen Dingen an: Beispielsweise, dass keine Cola-Automaten in der Schule stehen sollten oder dass Bewegungstherapien angeboten werden könnten.