Wien. Das sogenannte Goldene Quartier wirkt wie ausgestorben, eigentlich wie eine Filmkulisse. Kein einziger Mensch ist auf der Fußgängerzone in der Seitzergasse - die neben der Bognergasse, Tuchlauben und Tuchlaubenhof ein Teil des Luxus-Viertels Goldenes Quartier darstellt - zu sehen. Die Nobelboutiquen reihen sich Seite an Seite: links an der Ecke zu Bognergasse Prada und Church’s, rechts Mulberry, Brioni und Roberto Cavalli. Insgesamt beherbergt das Prestigeprojekt der Signa Holding rund um Immobilen-Investor Rene Benko 25 internationale Labels. Noch sind es 25. "Die Geschäfte laufen sehr schlecht. Sie sehen es ja selbst. Es muss etwas getan werden, und zwar schleunigst", sagt ein Verkäufer, der bestätigt, dass Ende Februar der erste Luxus-Shop in der Seitzergasse seine Pforten schließen wird.

"Momentan ist die Straße ausgestorben, es sieht aus wie in einem Geisterviertel. Wie sollen denn die Kunden den Weg zu uns finden?", sagt er. Die Frequenz in der Bognergasse, dort wo sich das Traditions-Restaurant "Zum Schwarzen Kameel" befindet, sei besser. Der Tenor der Shopbetreiber ist immer derselbe und die Stimmung am Tiefpunkt. "Der Umsatz letztes Jahr war schon niedrig. Und dass der Umsatz heuer noch weiter sinken würde, hätte ich eigentlich nicht für möglich gehalten", sagt eine Geschäftsführerin einer Nobelboutique, die namentlich nicht genannt werden möchte.

"Leiden an Russlandkrise"


"Wir leiden an der Ukraine- und Russlandkrise", sagt sie. Die Frequenz pro Tag betrage zwölf bis 30 Kunden. Frequenz wohlgemerkt und nicht zahlende Kunden. "Die Signa Holding müsste eine entsprechende Infrastruktur zur Frequenzsteigerung schaffen, dies können nicht die einzelnen Shopbetreiber tragen", sagt sie. Die Umgestaltung der Fußgängerzone in der Setzergasse solle Anfang Mai starten, aber das den Shopinhabern versprochene Restaurant an der Ecke Seitzergasse/Tuchlaubenhof, das potenzielle Kunden ins Goldene Quartier locken könnte, sei immer noch nicht realisiert worden.

Das Fünf-Sterne-Hotel Park Hyatt Vienna, das Anfang Juni 2014 Am Hof seine Pforten eröffnet hat, kann über einen Gästemangel zwar nicht klagen, bringe aber den Shopbetreibern in der Seitzergasse kaum Kunden. "Wir brauchen auch nicht die Masse. Aber nicht einmal den Wienern selbst ist klar, wo sich das Goldene Quartier eigentlich befindet", so die Geschäftsführerin. Die Signa Holding selbst kann oder möchte zum Ausbleiben von zahlungskräftigen Kunden derzeit nichts sagen.

Signa-Pressesprecher Robert Leingruber verweist auf die Geschäftsinhaber und äußert sich lediglich zu den geplanten Neuerungen rund um das Luxus-Viertel. "Wir werden im Frühjahr ein Außengestaltungskonzept umsetzen und sorgen für Grün und Sitzgelegenheiten in der Bognergasse, Seitzergasse und im Tuchlaubenhof. Wir können auch schon verraten, dass im September die zweite Vogue Fashion’s Night Out stattfinden wird und sehr viele Aktionen geplant sind. Das Hotel Park Hyatt Vienna wird um eine neue Bar, eine Brasserie und ein Cafe erweitert", so Leingruber.

Außerdem habe die Signa Holding sehr erfolgreiche Kooperationen mit der Österreich Werbung und dem Wien Tourismus, um international boomende Märkte anzusprechen.

"Eine Herausforderung"


"Das Goldene Quartier ist eine Herausforderung", meint auch Rainer Trefelik, der Obmann des Wiener Handels. "Es ist schön gestaltet, aber ein Pech, dass es eine zeitgleiche Überschneidung mit dem Wegfall einer wichtigen Kundengruppe gegeben hat", sagt Trefelik und meint damit die Gäste aus Russland. Dass der Rubel in Wien aufgrund der Ukraine-Krise und der Abwertung der Währung nicht mehr so rollt wie in den vergangenen Jahren, worunter vor allem die Luxus-Branche leidet, bestätigen auch die aktuellen Tourismuszahlen. Die Nächtigungszahlen von russischen Wien-Touristen sind 2015 im Vergleich zu 2014 um 32 Prozent gesunken.

Die Tourismusbranche setzt nun auf die USA, China und die arabischen Länder (siehe auch Interview mit Wiens Tourismus-Direktor Norbert Kettner), die ein kräftiges Plus verzeichnete: Die Nächtigungen aus den arabischen Ländern in Asien weisen einen Zuwachs von 48 Prozent auf 198.000 Nächtigungen, die der Vereinigten Arabischen Emiraten von 45 Prozent auf 123.000 und jene von von Indien eine Steigerung um 39 Prozent auf 90.000 Nächtigungen. Laut Wien Tourismus knackten die USA im Vorjahr erstmals wieder den Nächtigungsrekord aus den 1990er Jahren.