Vereine, Schulen oder Zeitschriften bestehen nach wie vor. Doch geht man durch die Straßen Wiens, braucht es historisches Wissen, um die Geschichte zu erkennen. Eine Ausnahme: "Auf den Wiener Friedhöfen sind die Tschechen noch sichtbar", sagt Vales lachend. Ernster fügt sie hinzu: "Eigentlich ist das erschreckend."

Was auf jeden Fall bleibt: das Lernen aus vergangenen Migrationsgeschichten, ist sich Wonisch sicher. War zu Beginn des 20. Jahrhunderts von der Angst vor der Slawisierung die Rede, ist es heute die Angst vor der Islamisierung: "Es gibt viele Parallelen zu heute. Da sollte man sich anschauen, was die eigentlichen Ursachen für die Ressentiments, die den Tschechen gegenüber empfunden wurden, waren. Dass es nicht um Sprache, nicht um Kultur, nicht um Religion, sondern um soziale, politische und um Machtfragen ging. Das ist auch heute so bei der Angst vor Überfremdung."