Konrad Kramar & Beppo Beyerl: Wienerwald für Entdecker - 15 Spaziergänge auf historischen Spuren. Amalthea; 220 Seiten; 20 Euro
Konrad Kramar & Beppo Beyerl: Wienerwald für Entdecker - 15 Spaziergänge auf historischen Spuren. Amalthea; 220 Seiten; 20 Euro

Wien. Eigentlich wollten Beppo Beyerl und Konrad Kramar gemeinsam ein Buch über Böhmen und Mähren schreiben, wo beide ihre familiären Wurzeln haben. An diesem Vorhaben hatten aber Verlage wenig Interesse, darum starteten die beiden ein Buchprojekt über den Wienerwald. Das Ergebnis ist die mit viel Kulturgeschichte garnierte Beschreibung von 15 Wanderrouten, wobei Kramar den nordwestlichen Teil vom Schöpfl bis zum Leopoldsberg und Beyerl den Süden von Mödling bis zum Guglzipf bei Berndorf übernommen hat.

Kramar zog, wie er im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" sagte, "das schlechtere Los", denn er durchstreifte vorwiegend die Flysch-Zone, wo man nach Niederschlägen noch tage-, wenn nicht wochenlang "im Gatsch" wandert. Beyerl hingegen genoss auf trockenem Boden die "fast alpinen Blicke" entlang der Thermenlinie. Manche der dortigen Berge waren früher kahl und darum bessere Aussichtspunkte als heute, weiß Beyerl, zum Beispiel der Kalenderberg mit seinem "Schwarzen Turm". Der jetzt ganz hell aussehende Turm wurde 1809 im Auftrag des Fürsten Liechtenstein von dessen Baumeister Joseph Hardtmuth erbaut, der später eine berühmte Bleistift-Fabrik gründete.

Robert Bouchal & Johannes Sachslehner: Magischer Wienerwald. Faszinierende Orte - Verborgene Plätze. Pichler; 208 Seiten, 25 Euro
Robert Bouchal & Johannes Sachslehner: Magischer Wienerwald. Faszinierende Orte - Verborgene Plätze. Pichler; 208 Seiten, 25 Euro

Der Wienerwald, so Kramar, sei "eine einzige Abfolge von Kulturlandschaft", fast jeder Hügel erzähle die "Geschichte eines Fürsten, der sich verwirklicht hat". War es im Süden vor allem die Familie Liechtenstein, so drückten im Norden und Westen Franz Moritz Graf Lacy und die Adelshäuser Schwarzenberg und Laudon mit Hilfe der besten Architekten ihrer Zeit der Landschaft ihren Stempel auf. Wer sich etwa fragt, wie die Marswiese in Neuwaldegg zu ihrem Namen kam, stößt auf eine Statue des antiken Kriegsgottes, die zur Parkanlage des Grafen Lacy gehörte. Als seinen Lieblingsplatz ließ Lacy das Hameau bauen. Dieses "holländische Dorf", das, wie Kramar sagt, als " "Inbegriff der arkadischen Schäferromantik" gedacht war, dürfte auch Marie Antoinette dazu inspiriert haben, im Park von Versailles ein Bauerndorf zu errichten.

Aber nicht nur "barocke Gigantomanie" spiegle sich, so Kramar, in Teilen des Wienerwaldes wider, sondern auch der "Technikwahn des 19. Jahrhunderts", beispielsweise durch den Bau von damals hochmodernen Bergbahnen - es gab eine Zahnradbahn auf den Kahlenberg oder eine "Knöpferlbahn" genannte Standseilbahn auf die Sophienalpe.

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