Die 1634 eingeweihte neue Kirche Maria Rotunda bekam 1927 - als drittes österreichisches Gotteshaus von mittlerweile mehr als 30 Kirchen - den Titel einer "Basilica minor", mit dem der Papst bedeutende Kirchengebäude auszeichnet. In der Krypta der Kirche liegt seit 1676 sogar eine Kaiserin begraben, Claudia Felizitas, die zweite Gemahlin von Kaiser Leopold I. Sie war eine Repräsentantin des "Dritten Ordens" - neben dem klösterlich lebenden Männerorden und dem schon 1205 von Dominikus gegründeten Frauenorden gibt es auch eine Gemeinschaft von Laien, die nach den dominikanischen Idealen zu leben versucht. "Wir sind demokratisch organisiert", betont der Provinzial, die Oberen werden von allen gewählt und sind spätestens nach zwei Amtszeiten wieder einfache Ordensmitglieder. Das soll vor Überheblichkeit bewahren und für einen geschwisterlichen Umgang sorgen - der Untergebene von heute kann ja der Chef von morgen sein.

Dominikaner sind Individualisten


Heute umfasst der Wiener Konvent zwölf Mitglieder im Alter von etwa 25 bis 95 Jahren. Vier davon absolvieren noch ihr Studium. "Dominikaner sind Individualisten", sagt Pater Thomas, "manchmal wundern sich Menschen, die zwei Dominikaner kennen, wie diese beiden im gleichen Orden sein können." In Sachfragen gibt es oft unterschiedliche Sichten, lässt Pater Günter Reitzi durchblicken: Der gegenwärtige Pfarrer der von den Dominikanern betreuten Pfarre in der Wiener Innenstadt ist bezüglich der Reform der Pfarrstrukturen in der Erzdiözese Wien nicht auf der Linie von Kardinal Christoph Schönborn, dem aus dem Dominikanerorden stammenden Erzbischof.

Nicht nur die Jungen bringen Leben ins Haus, auch das Jubiläumsjahr, in dem ein umfangreiches Kultur- und Bildungsprogramm angeboten wird, darunter eine "Schola Cordis", eine Schule christlicher Spiritualität. Das Motto dieses Jahres knüpft an den seit 800 Jahren gültigen Auftrag des Ordens an: "Das Evangelium verkünden."