Wie sehen Ihre Zukunftsprognosen für den Prater aus?

Die Zukunft sieht rosig aus, denn die Maßnahmen, die gesetzt wurden, zeigen ihre Wirkung: neue Attraktionen, wachsende Vielfalt und auch die sich entwickelnde Ganzjahresöffnung. Wir haben die Wintersaison für den Prater kreiert, in der die Zukunft liegt, auch aufgrund der Lohnkosten und der Veränderung in Bezug auf Wien als Wirtschaftsstandort. Bevor es unseren Faschingsumzug gab, war im Februar im Prater gar nix, dabei sind wir als Prater die ideale Kulisse für so etwas. Ich bin irrsinnig stolz auf den Prater: einerseits, weil ich hier aufgewachsen bin, hier lebe, und auch mein Geld verdiene - andererseits als Wiener, weil dieser Vergnügungspark bewusst mitten in der Stadt erhalten wird. Ich möchte, dass die Leute die Faszination des Praters kennenlernen. Wenn Menschen mit mir Touren durch den Prater machen, die zwei Stunden dauern und bei denen sie hinter die Kulissen blicken können, sind sie oft überrascht, wie persönlich alles geführt wird. Der Prater ist kein riesiger, unpersönlicher Konzern, sondern besteht aus Familien, die hier arbeiten - ein Stück lebende Wiener Tradition, die natürlich auch konsequent belebt gehört. Zwei meiner Kinder sind im Prater geboren, alle vier vom Prater begeistert. Die nächste Generation wächst also schon heran, und alle sind motiviert und wissen, was sie zu tun haben.

Ferdinand Fercos Hantig. - © Nathan Spasic
Ferdinand Fercos Hantig. - © Nathan Spasic

Ferdinand Fercos Hantig (Artist, Dompteur und Betreiber des Restaurants Weiße Gans)

Was waren die größten Veränderungen im Prater in Ihrer
Laufbahn?

Obwohl meine Familie unser Restaurant schon 1972 gekauft hat, bin ich relativ neu im Prater. Mein Bruder und ich sind als "Fercos Brothers" nach Las Vegas gegangen und dort mit unserer Show aufgetreten. Mein Vater ist im Prater geblieben und wir haben ihn immer wieder besucht, also habe ich die Veränderungen in den letzten 40 Jahren schon mitbekommen. Es hat immer einen Prater für Kinder gegeben, und meine erste Erinnerung ist der Tobbogan. Unser Restaurant ist jetzt neben dem Fahrgeschäft "Schwarze Mamba", das zwar wild aussieht, aber der Prater ist nach wie vor ein Ort für die Familie - und nicht nur für Wiener. Ich bin ja die meiste Zeit im Restaurant und spreche sieben Sprachen, und ich bin wirklich überrascht, wie viel internationales Publikum wir hier haben. Die Leute kommen auch in den Prater, weil sie sich hier mit den Kindern wohlfühlen. Und es ist kein teures Vergnügen: preiswertes Essen, Verpflegung und Unterhaltung sind das eine, das andere ist, dass der Prater seit 250 Jahren grün gehalten wird. Die Luft ist hervorragend, man kann durchatmen und so ist der Prater ein Schatz in äußerst zentraler Lage.

Wie sehen Ihre Zukunftsprognosen für den Prater aus?

Der Prater wird weiter modernisiert werden. Ich komme ja aus dem Show Business und möchte auch gerne im Prater etwas Dementsprechendes präsentieren: spezielle Shows, die eigentlich zum Prater gehören. Wir sind Ende der 1980er in der Stadthalle aufgetreten und hatten riesige Spektakel. Wenn wir das im Prater machen, möchte ich nur, dass ich dabei mein Geld nicht reinstecken muss. Wir bräuchten einen Sponsor, der hochkarätige Unterhaltungskunst auch finanziell zu schätzen weiß.

Karl J. Kolarik (Geschäftsführender Gesellschafter vom Schweizerhaus)

Was waren die größten Veränderungen im Prater in Ihrer
Laufbahn?

Seit 250 Jahren gehört der Prater zu Wien, so wie der Stephansdom oder das Schloss Schönbrunn. Anders als diese Wahrzeichen hat sich der Prater im Laufe der Jahrhunderte immer wieder neu erfunden. Der Prater ist ein lebendiger Ort, der mit der Zeit gehen und sich an ständig neue Rahmenbedingungen anpassen muss. Sowohl Touristen als auch Einheimische erwarten stets Neues von Fahrgeschäft- und Gastro-Betreibern, denn nirgendwo auf der Welt gibt es ein nur annähernd ähnliches Konzept wie im Prater: Der Eintritt ist frei, viele Betriebe werden seit Jahrzehnten von Familien geführt und für jeden Geschmack ist etwas dabei - für die einen gibt es Adrenalin pur und für die anderen Erholung im Grünen. Einzigartig ist auch das Zusammenspiel von Gegenwart und Vergangenheit. Die spektakulärste Achterbahn oder völlig neue Gastro-Konzepte ziehen die Besucher ebenso in die Leopoldstadt wie der Original Wiener Praterkasperl, die Liliputbahn oder eben unser Traditionshaus. Aber auch im Schweizerhaus, das meine Familie seit mehr als 95 Jahren führt, gab und gibt es immer wieder - notwendige - Veränderungen. Dabei ist uns wichtig, Innovation und Tradition behutsam miteinander zu verbinden. Diese beiden sind für mich nur zwei Pole einer Einheit, denn Tradition kann ohne Innovation nicht bestehen. Das Schweizerhaus wurde in den vergangenen Jahren regelmäßig um- und ausgebaut, die Technik immer wieder erweitert und erneuert. Gleichzeitig achten wir bei allen Veränderungen darauf, den Charme des Schweizerhauses beizubehalten - manchmal eine echte Herausforderung. Die große Gemeinschaft an treuen Stammgästen zeigt uns aber, dass wir wohl auf dem richtigen Weg sind.

Wie sehen Ihre Zukunftsprognosen für den Prater aus?