Wien. Ein neues Leitungsduo, Natasa Mackuljak und Ivana Marjanovic, präsentierte am Mittwoch das zum Teil neu gestaltete Rahmenprogramm der fünften Ausgabe der Wienwoche, dem mittlerweile schon etablierten Kulturfestival der Stadt zum Thema Integration und Miteinander. Das Festival, das mit 453.000 Euro pro Jahr zu 100 Prozent von der Stadt Wien finanziert wird und heuer von 16. bis 25. September stattfindet, hat sich heuer mit dem Motto "Forever together" hohe Ziele gesetzt: In einem guten Dutzend künstlerischer und aktivistischer Versuchsanordnungen sollen Solidarität, Freundschaft und Liebe erforscht werden.

"Überall, wo Ignoranz und Unterdrückung herrschen, braucht es Kräfte, die sich ihnen entgegenstellen, und das ist ein oftmals energieraubendes Unterfangen", sagte Marjanovic. "Wir versuchen es im täglichen Leben und auf experimentelle Weise in Gruppen und Projekten, in Freundschaftszirkeln, in Bars, fiktiven Frisiersalons, Parks und Marktplätzen, in wiederbelebten Kulturbrachen und in der Lugner City", ergänzte Mackuljak in Englisch.

"Forever together" will sich dabei nicht auf eine klassische Liebesbeziehung zwischen zwei Personen beschränkt wissen. Eine "Politik der Verbundenheit, Liebe und Freundschaft" bedeute auch, gegen Rassismus, Sexismus, Homophobie, Gewalt und Ausbeutung anzugehen.

Ein Beispiel für die gelebte Vielfalt dafür ist David Gross, Koordinator von refugees.tv’s Good News Studio, ein von asylsuchenden Journalisten und Medienproduzenten betriebenes TV-Studio samt Tutorialprogramm.

Fokus Ex-Jugoslawien


Ein klein wenig bemerkbar macht sich auch der Migrationshintergrund der beiden Leiterinnen, Ex-Jugoslawien, bei der diesjährigen Programmgestaltung: 2016 fokussiert die Wienwoche Ex-Yu (jugoslawische) Communitys. Der Künstler Pireli, der bei der Opening Show performt, kam als Flüchtling aus Bosnien nach Österreich, arbeitete auf Baustellen und ist heute im Import-Export-Business tätig. Zudem ist der dreifache MTV-Awards-Gewinner Schöpfer des in der Ex-Yu-Szene bekannten Songs "Esterreich".

Bestens ins Konzept eingebettet wird da auch der Umstand, dass sich das Anwerbeabkommen zwischen Österreich und der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien (SFRJ) 2016 zum 50. Mal jährt. Grund genug für das Kollektiv Platforma (Plattform für temporäre Kreation), einen langen Abendspaziergang durch den 16. und 17. Bezirk zu organisieren. "Auf den Spuren jugoslawischer Gastarbeiter" heißt der Pfad und bietet nicht nur einen Einblick in die Welt lokaler Legenden, sondern auch die Möglichkeit, ehemalige Fabriken, Arbeitervereine, Freizeitorte und Bars zu besichtigen. Untermalt wird der Trip von Ausstellungen, Vorträgen, Lesungen, Filmen, Performance, Musik und Tanz.

Neue Projekte im Rahmen von Wienwoche 2016 wurden aus
einem Open Call ausgewählt.
Dazu wartet man mit zwei offenen Arbeitsgruppen auf #L0V3_H4CK1N6 ("Love Hacking") und Cantina Corazón waren - abseits der im Kulturbereich üblichen Auswahlverfahren - als Einladung an alle formuliert, aktiv an der Wienwoche 2016 teilzunehmen.

Kooperation mit der Kunsthalle


Beide Projekte experimentieren mit unterschiedlichen Formen des Zusammenseins und stellen Formen der Partnerwahl oder temporärer Solidarität zur Diskussion. Erstmals in der Geschichte der Wienwoche gibt es eine Kooperation mit der Kunsthalle Wien: Der Workshop Brutalität, ihre Sprache, ihre Foren untersucht die gesellschaftlichen Sujets rund um den Begriff Brutalität.

Alle Informationen zum Programm
und den Projekten im Rahmen der Wienwoche 2016 finden Sie unter:

www.wienwoche.org