Für die Weiterentwicklung des Balletts plädieren Elizabeth Ward (l.) und Magdalena Chowaniec. - © Andrea Creutz
Für die Weiterentwicklung des Balletts plädieren Elizabeth Ward (l.) und Magdalena Chowaniec. - © Andrea Creutz

Wien. Ballett. Darunter versteht man weiße Schwäne, vielleicht sogar sterbende, Tutus, süße kleine Mädchen und Spitzenschuhe. Und genau gegen diese Klischees muss man kämpfen. Die Performancekünstlerinnen und Tänzerinnen Elizabeth Ward und Magdalena Chowaniec sehen dies als ihre Aufgabe mit ihrem Projekt "Anti-Fascist Ballet School", das im Rahmen der Wienwoche in der Lugner City stattfindet.

"Es ist nicht das Ballett mit Kindern in rosa Tutus, die aufgeregt herumlaufen. Vielleicht war es aber genau das, was man von uns in der Lugner City erwartete", sagt Chowaniec im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". "Dort war man begeistert, als sie Ballett hörten und meinten, sie hätten schon Trainer mit Mikros für Zumba auf der Showbühne", erzählen die beiden lachend. In Wien sei es für die Mittelschicht oft wichtig, ihr Mädchen ins Ballett zu schicken.

Die Örtlichkeit ist für sie eine Herausforderung, so Chowaniec: "Es ist schwierig für uns, diesem Klischee in dem überwältigend großen und lauten Raum entgegenzuarbeiten, in dem einander Menschen verschiedener Kulturen, Alter und sozialer Schichten treffen." Und die beiden Performerinnen hoffen auf eine besondere Rezeption in der riesigen Shoppinghall, nämlich von Menschen, die sonst nichts mit Kunst am Hut haben.

Doch wie kommt man auf die Idee, wie der Titel lautet, eine antifaschistische Ballettschule zu gründen? Der Umkehrschluss würde bedeuten, dass Ballettschulen faschistisch sind? "Ballett ist nicht Faschismus. Die Art und Weise, wie Ballett aber praktiziert und gelehrt wird, hat schon ähnliche Strukturen. Wir hinterfragen aber die Ausbildung, deshalb heißt es ja auch ,School‘ im Titel", erklärt Chowaniec. Ward fügt hinzu, dass diese Tanzform eine 500 Jahre alte Geschichte hat. Und in dieser Zeit hat sich einiges verändert, wie "die Einstellung zum Körper selbst und dessen Wertschätzung".

Geborgen an
einem Ort der Historie


"Wir wissen, dass vor 75 Jahren Ballett ganz anders ausgesehen hat als heute, obwohl es die gleichen Bewegungen, die gleichen Schritte waren", so Ward. Diese Entwicklung erkennt man deutlich an den Körpern der Tänzer. Ballett ist für die in den USA ausgebildete Performerin ein Ort, an dem sie sich in der Historie geborgen fühlt. Andererseits entdeckt sie dort auch die Entwicklungskapazitäten dieser Kunstrichtung. "Ich liebe Ballett wegen seiner starken physischen Forderungen, wegen der Drehungen und der Sprünge. Sie bringen uns einem Traum näher, den es schon seit Menschengedenken gibt: der Schwerkraft entkommen." Eigentlich ist es ganz einfach: "Ballett ist eine sehr körperbewusste, dynamische Tanzform", fügt Chowaniec hinzu. "Ich arbeite mit Asylwerbern. Sie hatten zu Beginn nicht einmal eine Idee davon, was Ballett ist. Nur vom Zusehen, ich habe ihnen einen Ausschnitt aus ,Corsaire‘ gezeigt, wurde ihr Interesse geweckt, vor allem die Drehungen und Sprünge." Natürlich hätte es nicht nach Ballett ausgesehen, aber es zeige, dass Ballett für jedermann ist und Freude macht. "Wir sind keine Populisten, deshalb sagen wir auch nicht, dass Ballett die Welt retten wird. Wir möchten vermitteln, dass Ballett jedem näher ist, als man denkt", so Chowaniec.