Wien. Es gibt eine Grenze, auch wenn diese nicht sichtbar ist. Es gibt ein "Außerhalb", wie es einige Bewohner von einem der größten Stadtentwicklungsprojekte Europas im Nordosten Wiens bezeichnen, und es gibt die Seestadt respektive die Seestädter.

"Für Außenseiter ist es eine große Baustelle. Aber für uns Seestädter ist es schon ziemlich fertig hier", sagt Anita S., eine Seestadt-Pionierin. Der Freudsche Versprecher - Anita S. sagte im Interview Außenseiter und meinte Außenstehende - sagt viel über den neuen Stadtteil aus.

Die meisten Bewohner sind gekommen, um zu bleiben, wie eine aktuell veröffentlichte Studie bestätigt. Bei der vom Institut für Soziologie der Universität Wien in Kooperation mit dem Kompetenzzentrum für Soziale Arbeit der FH Campus Wien und dem Stadtteilmanagement Seestadt Aspern durchgeführte Studie wurden 467 Seestadt-Bewohner im Zeitraum von April bis Oktober 2015 befragt. Die Ergebnisse: 82 Prozent der Befragten wohnen gerne in der Seestadt - 62 Prozent haben angegeben, "sehr gerne" dort zu leben. Sieben von zehn Seestädtern (70 Prozent) bezeichnen die Seestadt als einen "Ort für Familie und Kinder", 66 Prozent nehmen die Seestadt als "modernen Stadtteil" wahr. Für 58 Prozent ist die Seestadt weder Stadt noch Land und für 55 Prozent ist ihr Stadtteil "ein Ort, der Urlaubsgefühle auslöst".

Verbesserungspotenzial


Verbesserungspotenzial sehen die Befragten bei den Einkaufsmöglichkeiten, beim Kulturangebot und bei der Parkplatzsituation. Und 80 Prozent der befragten Seestädter haben angegeben, dass die Nachbarn gegrüßt werden.

Warum sollte man in die Seestadt ziehen? "Es ist etwas Neues, es ist eine perfekte Mischung aus modern und grün. Es gibt Felder, es gibt einen See, es gibt Ärzte und es gibt einen Supermarkt. Wir haben alles hier und es entwickelt sich so weiter", sagt Anita S.

Karina Kollinsky hat Anfang September einen Friseursalon in der Seestadt übernommen. "Es kommen sehr viele Leute und sagen zu mir: Ich habe gehört, du hast das Geschäft übernommen. Wie taugt es dir? Aber ich habe die Leute noch nie im Leben gesehen. Das ist hier normal, deshalb habe ich mich auch für die Seestadt entschieden. Die Leute sind viel entspannter und viel offener", so Kollinsky, die nach einer Wohnung in der Seestadt Ausschau hält.