Aktuell gibt es 1300 registrierte User aus ganz Wien. - © Screenshot
Aktuell gibt es 1300 registrierte User aus ganz Wien. - © Screenshot

Wien. Er kocht leidenschaftlich gerne, ist aber nicht der Typ Bastler. Schon gar nicht, wenn sein Fahrrad in Schuss gebracht werden sollte. Das muss er auch nicht, denn das können andere besser, ist Patrick Schranz überzeugt. Schranz, der zurzeit an der Wirtschaftsuniversität Wien sein Masterstudium in Finanzwirtschaft und Rechnungswesen absolviert, ist Hauptinitiator von "neighbours.help". Die neue Online-Plattform bringt Wienerinnen und Wiener zusammen.

Schranz nutzt das Netzwerk auch selbst. "Ich habe jemanden gesucht, der meine Gangschaltung einstellt, und habe ihn dann zum Essen eingeladen. Es ist auch schön, dass man die unterschiedlichsten Leute, die einem sonst in Wien nicht über den Weg laufen würden, kennenlernt", erzählt er. Nachsatz: "Natürlich sind wir keine Kontaktbörse."

Alltagserleichterung im Fokus

Im Vordergrund bei "neighbours.help" stehen rasche und unkomplizierte Hilfe im Alltag - jemanden in Wien zu finden, der einem behilflich ist. Beispielsweise, wenn man ein Piratenkostüm für seine Kinder ausborgen und nicht kaufen will, dringend eine Bohrmaschine oder Hilfe bei der Montage von Möbeln benötigt, dann kann man kostenlose Suchaufträge erstellen. "Die Plattform deckt nur das Ich-suche-Segement ab, die Funktion der Bietaufträge gibt es nicht. "Der Unterschied zu anderen Nachbarschaftswerken ist, dass es nicht nach dem Facebook-System funktioniert, sondern wir uns um die Vermittlung kümmern", erklärt Schranz.

Ein Hauch Land in der Stadt

Patrick Schranz ist im südlichen Burgenland aufgewachsen und wohnt seit zehn Jahren in Wien. Er möchte mit "neighbours.help" das Land in die Stadt bringen - jedenfalls, was die Idee des Nachbarschafts-Netzwerkes betrifft. "Wenn man schnelle unkomplizierte Hilfe im Alltag braucht, findet man diese am Land sehr schnell. Der eine kann das gut, der andere wieder etwas anderes. Man hilft sich gegenseitig. Diese Idee wollten wir auf die Stadt übertragen. Nicht nur im Sinn der unmittelbaren Nachbarschaftshilfe, nicht begrenzt auf das Grätzel oder das Nebenhaus, sondern ausgeweitete auf ganz Wien. Wir verfolgen den Gedanken, dass wir alle in einer Stadt wohnen und wir alle Nachbarn sind", so Schranz.

Sechs Monate lang hat rund um dem Wirtschaftsstudenten ein dreiköpfiges Team Zeit und Geld in die Entwicklung der Plattform investiert. Die Idee entstand im Rahmen eines Uni-Seminars.

Aktuell verzeichnet "neighbours.help" 1300 registrierte User aus ganz Wien - "mit einem leichten Überhang der Inneren Bezirke", wie Schranz erklärt. Der Altersdurchschnitt liegt bei 37 Jahren. "Es sind auch sehr viele Wiener angemeldet, die über 60 Jahre alt sind", so Schranz.

Laufend Verbesserungen

Bei den meisten Suchaufträgen handelt es sich um Nachhilfe-Unterricht oder das Ausleihen von Werkzeugen. "Eine Dame hat beispielsweise einen Ofen gesucht, mit dem sie Weihnachtskekse backen kann. Es sind die unterschiedlichsten Dinge, auch außergewöhnliche. Beispielsweise hat sich eine Userin nach jemanden umgeschaut, der ihr einen Holundersirup zubereitet. Oder ein User hat einen Schlagzeuglehrer gesucht, weil er einen Trommelwirbel erlernen möchte", so Schranz.

Und was soll die Zukunft bringen? "Wir wollen weiterwachsen und machen laufend Verbesserungen. Jetzt haben wir eine Auftragsinfo eingebaut, damit sich die diejenigen, die Hilfe suchen, und jene, die helfen wollen, schneller finden", sagt Schranz, der sich im nächsten Jahr eine Ausweitung der Plattform auf die Wien-Umgebung und auf andere österreichische Städte vorstellen kann.

Aktuell ist die Nachbarschaftsplattform auf Wien begrenzt. "Es ist ein großer Vorteil, aus einem Know-how-Topf, der die ganze Stadt umfasst, zu profitieren. Denn jeder kann etwas gut. Und es gibt niemanden, der gar nichts kann", so Schranz.