Schaffner als Entwerterersatz


Aber nicht nur Nutzer des Wiener Seniorenfahrscheins kommen mangels Entwerter in die Bredouille. Wer beispielsweise nicht regelmäßig aus der Region nach Wien fährt und dazu die Acht-Tage-Klimakarte in der Stadt nutzen möchte, fährt spätestens ab der Stadtgrenze bis zum Umstieg gezwungenermaßen schwarz. Die Alternative - eine Region-Tageskarte plus Kernzone - kommt dann mitunter um 70 Cent teurer als eine Kombination aus beiden Fahrscheinen.

"Es ist hier aber schwer, Vergleiche zu ziehen, da die Systematik komplett geändert wurde", betont Huemer. Auch wenn sich der Wien-Anteil bei einem kombinierten Tagesticket im Vergleich zur Klimakarte erhöhe, würden die Fahrgäste für die Regionalstrecke gegenüber den alten Zonenkarten sparen. "Pendler aus der Region würden die Klimakarte realistisch gesehen auch nicht regelmäßig nutzen. Sie ist auch für Start und Ziel in Wien konzipiert", merkt Huemer an.

Um allen Fahrgästen wieder die Nutzung ihrer Tickets zu ermöglichen, bringt Kühner eine Änderung der Tarifbestimmungen des VOR aufs Tapet. "Wenn ein Fahrgast aus dem Umland mit einem gültigen Regionalticket nach Wien hineinfährt, soll er sich kurz vor der Kernzonengrenze sein Ticket für die Stadt vom Schaffner entwerten lassen können." Dass auf diese Art und Weise das Schwarzfahren wieder erleichtert werden könnte, sieht Kühner eher nüchtern.

Eine Gratisfahrt in Wien wäre nur in einem schaffnerlosen Zug und ohne Umstieg in die Wiener Linien möglich. "Natürlich kann es auch zum Nachteil der Verkehrsbetriebe passieren, dass jemand aussteigt, bevor der Schaffner ihn kontrolliert. Aber für die Fahrgäste wäre es von Vorteil, ihre Tickets für Wien wieder nutzen zu können. Und wieso sollen immer die Fahrgäste benachteiligt werden? Wenn beispielsweise der Ticketautomat kaputt ist, liegt der Fahrgast in der Beweispflicht, dass er kein Ticket kaufen sollte", so der Fahrgastaktivist.