Wien. Er wurde begnadigt und aus seinem Ruhestand geholt. Der orange Kasten, auch Fahrscheinentwerter genannt, feiert im Wiener Umland nun doch sein Comeback. Und zwar in 75 Bahnhöfen.

Wie die "Wiener Zeitung" berichtete, wurden die Entwerter Anfang des Jahres rund um Wien sukzessiv abgebaut. Das führte zu Unmut bei einigen Fahrgästen, da sie ihre Tickets teilweise nicht mehr nutzen konnten. Grund für den Abbau war die Tarifreform des Verkehrsverbunds Ost-Region (VOR) im vergangenen Sommer.

Sie schaffte die Tarifzonen-Einteilung ab und führte ein einheitliches System für Wien, Niederösterreich und das Burgenland ein. Im Zuge dessen wurde die Streifenkarte für obsolet erklärt und die Entwerter von der ÖBB als "nicht mehr zeitgemäß" aufgegeben. Dieser Schritt führte jedoch dazu, dass einige Fahrscheine, vor allem der Zwei-Fahrten-Fahrschein für Wiener Senioren und die 8-Tage-Klimakarte, nicht mehr für die Rückfahrt vom Umland nach Wien verwendet werden konnten, da es vor der Stadtgrenze keine Entwertungsmöglichkeit mehr gab.

Von Fahrgastaktivisten und dem Wiener Seniorenbund, dessen Mitglieder so um ihre Vergünstigung umfielen, hagelte es Kritik. VOR und die ÖBB rudern nun zurück. Nach "Analyse der Kundenrückmeldungen" sollen bis zum 20. März in den "bedarfsgerecht" ausgewählten 75 Bahnhöfen im Wiener Umland die Entwerter wieder reaktiviert werden. Offiziell spricht das Unternehmen von einer "Qualitätsverbesserung für Gelegenheitsfahrer".

Denn ein weiterer Grund für die Einstellung der Entwerter sei der mangelnde Bedarf, der "in keinerlei Verhältnis zum Aufwand einer flächendeckenden Entwerter-Infrastruktur" stand, gewesen, so der VOR. Bei den Regionalbussen und Wiener Lokalbahnen, die noch mit Entwertern fahren, wurde zudem in den Tarifbestimmungen nachgebessert, erklärt Georg Huemer vom VOR. "Eigentlich hätten diese im Umland nicht verwendet werden dürfen, aber in der Praxis wurde da immer ein Auge zugedrückt. Das wurde nachträglich einfach legalisiert."

Diese Übergangslösung sei überdies zeitlich unbegrenzt, so Huemer. "Wir haben mit der ÖBB einen offenen Zeithorizont vereinbart, was die Entwerter angeht." Parallel werde an einer Lösung gearbeitet, die ohne Entwerter auskomme. Diese solle auch für die ganze Ost-Region funktionieren und nicht nur für das Wiener Umland, so Huemer. "Für alle Fahrgäste soll mittelfristig eine sinnvolle und einfache Ticket-App angeboten werden. Aktuell stellt sich nur das Problem, dass die vorhandenen Lösungsvorschläge und technischen Möglichkeiten nicht unseren Anforderungen entsprechen, vor allem was die Einfachheit bei der Bezahlung betrifft", so der Mediensprecher.