Der geplante Schnellstraßenausbau im Osten Wiens - © WZ-Grafik, Asfinag, Stadt Wien, ÖBB, Kartenmaterial: mapz.com
Der geplante Schnellstraßenausbau im Osten Wiens - © WZ-Grafik, Asfinag, Stadt Wien, ÖBB, Kartenmaterial: mapz.com

Wien. In Österreich wird eine 19 Kilometer lange Schnellstraße geplant. Klingt wenig aufregend. Wer sollte etwas dagegen haben? Seit Jahrzehnten baut die Republik schließlich hochrangige Verkehrswege für Pkw und Lkw und errichtete so eines der dichtesten Schnellstraßennetze Europas. Auch wenn hin- und wieder eine Bürgerinitiative Widerstand leistete: Die Durchsetzung solcher Bauvorhaben war dabei meist Formsache.

Doch in diesem Fall ist es anders. Seit 14 Jahren kommt die geplante Schnellstraße S1, die zwischen Süßenbrunn und Schwechat unter dem Nationalpark Lobau und der Donau durchführen soll, nicht über den Planungsstand hinaus. Warum das so ist, und ob das vielleicht gut sein könnte, wird Gegenstand einer laufenden Berichterstattung sein.

In den kommenden Wochen werden wir Parteien und Akteure, Profiteure und Verlierer zeigen. Und wir werden aufschreiben, wie sich Politiker unterschiedlicher Parteien, Verfassungsrechtler, Umweltschützer, Stadtplaner, Anrainer und Pendler positionieren und warum sie das tun.

Mehr als andere Großprojekte ist der Straßenbau im Nordosten Österreichs dazu geeignet, die Richtung zu bestimmen, die unser Land in Zukunft nimmt. In den 14 Jahren, in denen an der Lobau-Schnellstraße getüftelt wird, hat sich die Welt ein Stück weitergedreht. Es geht inzwischen nicht mehr nur um den Komfort der Bewohner am Stadtrand. Sondern um die Umsetzung von Klimazielen, um die Umsetzung von Mobilitätskonzepten, um Lebensqualität in den Städten und um die Frage, wofür Steuermittel eingesetzt werden sollen.

Der Tunnel - © WZ-Grafik, Asfinag
Der Tunnel - © WZ-Grafik, Asfinag

Die geplante Straße samt Tunnel ist dabei mehr als nur ein zwei Milliarden Euro teures Infrastruktur-Projekt, 60 Meter unter einem Naturschutzgebiet. Es markiert eine Weggabelung, an der die Entscheidung fallen muss, ob der Ausbau des motorisierten Individualverkehrs wie in den vergangenen fünf Jahrzehnten weitergehen soll, oder ob wir in eine Zukunft gehen wollen, die anders aussieht.

Ist die Schnellstraße notwendig?

So viel ist unstrittig: Die mehr als 320.000 Bewohner Floridsdorfs und der Donaustadt sowie die Bewohner der Siedlungsgebiete im nordöstlichen Speckgürtel Wiens haben einen Bedarf an besserer Mobilität. Über Hauptstraßenverkehrsverbindungen wie der Brünner Straße, der Breitenleer Straße oder am Biberhaufenweg quälen sich zur Stoßzeit zu viele Autofahrer. Mit allen negativen Begleiterscheinungen: Stau, Lärm- und Abgasbelastungen für die Anrainer, Platzmangel und Unfälle.