Wien. Die Umweltorganisation Virus sieht im Zusammenhang mit dem geplanten Lobautunnel weiterhin zahlreiche Mängel. Derzeit liegt das Megaprojekt zwecks Bewilligung beim Bundesverwaltungsgericht (BVwG). Nicht nur, dass der Betreiber Asfinag noch eine Reihe anderer Genehmigungen benötige - die Aktivisten fürchten auch um ein tief liegendes Süßwasserreservoir im Baugebiet.

Virus-Sprecher Wolfgang Rehm sprach in einer Pressekonferenz von den "epischen Ausmaßen" des Gerichtsstreits. So stehe das Beschwerdeverfahren, an dem Virus federführend beteiligt ist, auch zwei Jahre nach dem erstinstanzlichen positiven UVP-Bescheid immer noch am Anfang. Derzeit prüft das BVwG jene Unterlagen, die es vom Autobahnbetreiber in Sachen Hydrogeologie und Lärmschutz nachgefordert hat. Wobei die Umweltschützer kritisieren, dass die Nachbesserungen der Asfinag einer Projektänderung gleichkämen, was auch die Gültigkeit der UVP-Entscheidung in erster Instanz infrage stelle.

Geologe Wessely: Wasserreservoir bedroht

Um zu belegen, dass der Projektbetreiber aus Sicht der Aktivisten nach wie vor unzulängliche Daten für die S1-Lückenschluss zwischen Süßenbrunn und Schwechat geliefert habe, holte sich Rehm für die Pressekonferenz am Dienstag zwei Geologen aufs Podium. Godfrid Wessely erklärte, das sich dort, wo die Tunnelröhren durch den Untergrund führen sollen, ein Reservoir im Ausmaß von fünf Millionen Kubikmetern Süßwasser befinde. "Das Bauwerk schneidet nun in die oberen Horizonte dieses Reservoirs hinein", sagte Wessely.

Damit werde die Verschmutzung dieses "Notwassers", das man etwa im Falle einer Kontaminierung des Wiener Hochquellwassers anzapfen könnte, riskiert, warnte der Wissenschafter. Nicht zuletzt deshalb, da der Tunnel durch das sogenannte "Schwechater Loch" verläuft - eine tektonische Absenkzone, die womöglich noch immer aktiv sei und das Bauwerk leicht versetzen und durch Risse oder Beschädigungen in weiterer Folge das im Untergrund gespeicherte Wasser verunreinigen könne.

Fachmann Josef Lueger zweifelte wiederum an den Berechnungen der Asfinag, was die Auswirkungen auf das Grundwasser hat. Das Hauptproblem laut dem Geologen: Die Asfinag geht von unveränderlichen Wasserständen in den Lobaugewässern aus. Das sei aber nicht zutreffend. Insofern könnten so die Folgen auf den Nationalpark niemals ermittelt werden: "Nach diesem Modell würde auch ein Meteoriteneinschlag keine Auswirkungen haben", ärgerte sich Lueger.

Projektgegner Rehm verwies auch darauf, dass die Autobahngesellschaft zudem wasserrechtliche und naturschutzrechtliche Genehmigungen brauche. "Das wird normalerweise gleich nach Abschluss der ersten UVP-Instanz beantragt", erklärte der Virus-Sprecher. Laut seinen Recherchen sind bei den zuständigen Stellen in Wien und Niederösterreich mit Stand Mitte April keinerlei Genehmigungsansuchen eingetroffen. Wobei der Bewilligungsprozess dafür normalerweise ein Jahr dauere - den möglichen darauffolgenden Instanzenzug noch gar nicht eingerechnet. "Wie hier ein Baubeginn 2018 funktionieren soll, bleibt eine offene Frage", meinte Rehm.

Vonseiten der Asfinag glaubt man jedoch weiterhin an einen Baubeginn des Tunnels im kommenden Jahr. "Wir streben Ende 2018 an", sagte Geschäftsführer Alexander Walcher im apa-Gespräch. Ob der "ambitionierte Zeitplan" allerdings tatsächlich zu halten ist, hänge vom Verlauf der noch laufenden Verfahren ab, räumte er ein.

Asfinag: Megaprojekt sei "absolut umweltverträglich"

Um die auch von Virus angesprochenen, noch ausständigen naturschutz- und wasserrechtlichen Bewilligungen werde man noch diesen Sommer ansuchen, so der Asfinag-Geschäftsführer. Bei der Autobahngesellschaft hofft man folglich, mit Ende des ersten Halbjahres 2018 alle erforderlichen Genehmigungen für den Baubeginn in der Tasche zu haben.

Via Aussendung wies Walcher die zuvor geäußerten Bedenken der Umweltschützer zurück. Das Megaprojekt sei "absolut umweltverträglich", wurde versichert.