Wien. Er weiß genau, wann du aufstehst, dich duschst, wann du zuhause bist, wann du schlafen gehst. Wenn Datenschützer dieses Szenario heraufbeschwören, meinen sie aber nicht den neugierigen Nachbar mit dem Fernglas. Sie sprechen von intelligenten Stromzählern, sogenannten Smartmetern, die laut EU-Verordnung bis 2020 flächendeckend - zumindest zu 80 Prozent - die seit Jahrzehnten verwendeten mechanischen Ferraris-Zähler in den Haushalten ersetzen sollen. Die Wiener Netze sind einer der wenigen großen Energieversorger in Österreich, die sich mit der Einführung noch Zeit lassen. Das Rennen um 1,28 Millionen Stromzähler ist noch offen, der Rollout wurde auf 2018 verlegt, aktuell wird noch ein Anbieter gesucht.

Kontrolle im
Viertelstundentakt


Im Unterschied zum mechanischen Zähler, der jährlich persönlich abgelesen werden muss, sammeln Smartmeter alle 15 Minuten Verbraucherdaten. Damit könne der Verbrauch genauer abgeschätzt und auch die Auslastung der Netze überprüft werden, argumentieren Betreiber. Ebenso würde die Abrechnung für den Kunden zielsicherer erfolgen. Genau hier setzen aber die Bedenken der Kritiker an. Mit den laufend erhobenen Daten könnten Profile über die Gewohnheiten der Kunden erstellt werden, oder es sei mit großer Sicherheit ablesbar, wann sie daheim wären, heißt es.

"Strom hat kein Mascherl", versucht Werner Mühl, Vertriebsingenieur des international agierenden Smartmeter-Herstellers Kamstrup, gegenüber der "Wiener Zeitung" zu beschwichtigen. Anhand der Verbraucherdaten allein könnte man nicht erkennen, was in einem Haushalt passiere. Ebenso nicht, wenn zusätzlich Wasser, Gas und Wärme mittels Smartmetern abgelesen werden (was möglich ist). Auch der heimische Regulator E-Control und die Wiener Netze betonen, dass mit viertelstündlich abgerufenen Daten nichts ausgelesen werden könne. "Da lässt sich aus einem Facebook-Posting, das man darüber hinaus noch freiwillig ins Netz stellt, wesentlich mehr herauslesen", meint Alexandra Melik von den Wiener Netzen. Überdies würden die Daten nur einmal täglich an den Anbieter übermittelt werden und müssen den Kunden auf Webplattformen zur Verfügung gestellt werden.

Anders sieht es jedoch aus, wenn man die intelligenten Zähler mit Hausautomatisierungsgeräten koppelt, beispielsweise einem smarten Kühlschrank oder einem intelligenten Thermostat. Hier ließen sich dann sehr wohl Nutzungsgewohnheiten ablesen. "Hausautomatisierung ist aber eine komplett freiwillige Sache", bemerkt Mühl. Allein die smarten Stromzähler seien Vorschrift, um die Abrechnung zu automatisieren und auch beispielsweise Anbieterwechsel zu vereinfachen, erklärt er. Trotzdem sehen Skeptiker Smartmeter als Motor für eine voranschreitende Digitalisierung und Überwachung im Haushalt. Auch der Verkauf der Nutzerdaten an Unternehmen wie Google ist laut einer Studie der Österreichischen Energieagentur ein mögliches Geschäftsmodell für Energieanbieter, scheitert aktuell aber vor allem am rechtlichen Rahmen.