Wien. 6000 Wohnungen mit rund 14.000 Bewohnern leben hier heute — in der Per-Albin-Hansson-Siedlung in Favoriten könnte beinahe die gesamte Bevölkerung Eisenstadts untergebracht werden. Die Stadt in der Stadt zählt zu den bedeutsamsten des sozialen Wiener Städtebaus in der Nachkriegszeit. Mit Bad und WC ausgestattete Wohnungen, die rund 20 Quadratmeter größer waren als viele Wohnungen in der Innenstadt; dazu Grünraum in der Anlage — das war nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem ein Viertel aller Wohnungen in Favoriten zerstört worden war, Luxus.

"Nach dem Zweiten Weltkrieg lag Wien in Schutt und Asche. Die Per-Albin-Hansson-Siedlung bot tausenden Wienerinnen und Wienern ein erschwingliches Zuhause mit einer Wohn- und Lebensqualität, die ihresgleichen suchte", sagt Wohnbaustadtrat Michael Ludwig.

Die Siedlung wurde nach dem 1946 verstorbenen schwedischen Ministerpräsidenten Per Albin Hansson als Dank für die von dort geleistete Wiederaufbauhilfe Wiens, benannt. Nun feiert die Siedlung ihren 70. Geburtstag.

Wachsende Rückschau
auf 70 Jahre Stadtgeschichte


Am 23. August 1947 erfolgte die Grundsteinlegung im ersten Bauteil. Vier Jahre später zogen die ersten Bewohner ein. Darunter gibt es auch einige, die nach wie vor in der Siedlung wohnen und ihre Geschichte selbst erzählen können.

Die nun eröffnete Ausstellung "70 Jahre Per-Albin-Hansson-Siedlung - eine Wiener Wohnbaugeschichte" zum Jubiläum in der Volkshochschule soll laufend um solche Geschichte und Geschichten wachsen. Zeitzeugen können ihre Beträge und Bilder zum Gemeindebau entweder in der Ausstellung in der VHS abgeben oder auch auf der Homepage der Internationale Bauaustellung, der IBA-Wien-2022, hochladen.

Jubiläum als Anlass für Weiterentwicklung


Die Ausstellung ist Teil des bis 2022 andauernden Stadtentwicklungsprojekts, wo Strategien für neues soziales Wohnen vorgestellt und mit Beteiligung der Bürger weiter vorangetrieben werden sollen. Dabei geht es nicht nur um den Neubau in Stadtentwicklungsgebieten wie zum Beispiel der Seestadt Aspern, sondern auch um die Modernisierung älterer Wohnsiedlungen aus der Nachkriegszeit, die über die Erneuerung der Bausubstanz hinausgeht.

Konkret soll die Per-Albin-Hansson-Siedlung nach der im Großteil der Bauten bereits abgeschlossenen thermisch-energetischen Sanierung nach den heutigen Wohnbedürfnissen der Bewohner angepasst werden: Frei- und Grünräume, die Nahversorgung mit Geschäften, die Mobilität in der und zur Siedlung aber auch die Nachbarschaftsangebote sollen in den kommenden Jahren neu gestaltet werden.

Dazu wurden die Bewohner befragt, das Ergebnis wird im Laufe der kommenden Wochen präsentiert. Wünsche können auch bei Veranstaltungen zum Jubiläum weiter eingebracht werden. Aber es zeichnet sich bereits ab, dass Interesse an noch mehr Grün besteht. Dazu gibt es übrigens einen Pionier in der Siedlung: Hans Maczejka übt sich seit 2009 im "urbanen Garteln", pflanzt Blumen und hat damit eine Grünoase für sich und andere Bewohner geschaffen. Projekte wie dieses kommen an, im Stadtrat-Büro hofft man auf Nachahmer.