Auch Frau Brunner, die seit 13 Jahren bei Walter Weiss, einem traditionellen Fachgeschäft für Pflege- und Luxusartikel, angestellt ist, sieht die Begegnungszone positiv. Die Kundschaft habe sich dadurch nicht verändert. Treue Stammkunden gebe es nach wie vor. "Veränderungen gehören nun einmal dazu. Auch der Umbau ist sehr unproblematisch verlaufen. Der einzige Nachteil für mich ist, dass sich die Busverbindungen verändert haben. Aber ein bisschen mehr zu Fuß gehen schadet ja auch nicht."

Die Meinungen der Passanten, die sich regelmäßig auf der Flaniermeile aufhalten, gehen ebenfalls stark auseinander. Manche deklarieren sich als klare Befürworter der Begegnungszone, andere als überzeugte Gegner. Zu 100 Prozent zufrieden scheint jedenfalls kaum jemand zu sein. Einige Kritikpunkte wiederholen sich immer wieder. Besonders häufig wird erwähnt, dass es auf der Mariahilfer Straße immer noch ein wenig chaotisch zugehe, man oft nicht so genau wisse, wo man zwischen Bussen und Fahrrädern hingehöre. Ein weiteres Manko für viele Passanten sind die Begrünung und der Mangel an Sitzflächen. "Man hätte vieles besser lösen können", lautet der Grundtenor. Auch mit der Geschwindigkeit, mit der manche Radfahrer durch die Begegnungszone rauschen, sind viele Passanten unzufrieden.

Doch auch Positives wird hervorgehoben. Viele jüngere Passanten und Radfahrer sind begeistert. Auch Anrainer sprechen von einer großen Bereicherung. "Ich wohne schon lange im 6. Bezirk und fühle mich seit dem Umbau viel wohler hier", erzählt eine Anrainerin. "Einkaufen und Bummeln macht jetzt viel mehr Spaß als früher. Außerdem ist der tägliche Weg mit dem Fahrrad zur Arbeit um einiges angenehmer geworden." Sie stimmte 2014 für die Begegnungszone und würde es jederzeit wieder tun.

"In den 1970er Jahren war auch die Kärntner Straße voll mit Autos. Heute kann sich niemand mehr vorstellen, mit dem Auto durch die Altstadt zu fahren", erklärt eine Passantin. Wahrscheinlich brauche es einfach Zeit, bis die Diskussionen um die Begegnungszone und die Bilder der befahrenen Mariahilfer Straße vergessen seien.