Wien. Er hat sich nicht darum gerissen: Seit 1. September ist Alexander Brenner nicht mehr Pfarrer der Pfarrgemeinde Zum Göttlichen Erlöser im 20. Bezirk, sondern der Pfarre Neu "Zu Allen Heiligen", die seine Pfarrgemeinde gemeinsam mit den beiden Pfarren Allerheiligen-Zwischenbrücken und Muttergottes im Augarten bildet. Diesen Sonntag um 10 Uhr ist der Startfestgottesdienst der Pfarre Neu mit Erzbischof Christoph Schönborn in der Pfarrkirche am Allerheiligenplatz.

"Von Begeisterung war bei mir nie die Rede", bekennt Pfarrer Brenner jedenfalls im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". "Mein Beichtvater hat zu mir gesagt: ‚Jetzt haben Sie ein Begräbnis zu halten.‘" Ganz so dramatisch ist es freilich nicht, aber Brenner verweist darauf, "dass die Pfarre Allerheiligen vor 42 Jahren, als Fritz Koren die Pfarre übernommen hat, 30.000 Katholiken umfasst hat, jetzt sind es nur noch knapp 7000". Und auch die Pfarre Zum Göttlichen Erlöser hatte vor 15 Jahren, als Brenner Pfarrer wurde, mehr als 6000 Gläubige, "im Vorjahr sind wir zum ersten Mal unter 4000 gerutscht, und von den 450 Volksschülern im Pfarrgebiet sind 70 katholisch - in diesen Dimensionen müssen wir denken". Und diese Dimensionen machen auch ein Stück weit die Strukturreform der Erzdiözese Wien verständlich, in deren Rahmen Pfarren zusammengelegt werden. Die Unterstützung durch die Erzdiözese bei seiner neuen Aufgabe bezeichnet er als "enden wollend".

Brenner ist nur allzu bewusst, vor welchen Herausforderungen er als Pfarrer steht: Eine besonders große sind dabei die drückenden Finanzen. Und Brenner kennt auch die Sorgen in den betroffenen Gemeinden, was die Zukunft betrifft. Eine Pfarrgemeinde komplett aufzulösen, kam für ihn nicht in Frage: "Die Kirche vor Ort muss bleiben." Ihm ist auch wichtig, "dass die Strukturen weitgehend erhalten bleiben". Nur den Kalender bei den Wochentagsgottesdiensten will er in allen drei Teilgemeinden angleichen. Ansonsten kocht zumindest vorerst einmal jede ihr eigenes Süppchen. Wie sich das dann in Zukunft entwickeln wird, bleibt abzuwarten.

Die Pfarrer bleiben erhalten

Und auch sonst wird sich zumindest vorerst für die Gemeindemitglieder nicht allzu viel ändern. So wurde die Pfarrgemeinderatswahl mit Blick auf Pfarre Neu nicht wie überall sonst in Wien diesen März abgehalten, sondern auf nächsten März verschoben. Bis dahin gibt es ein provisorisches Leitungsteam, das von den bisherigen Pfarrgemeinderäten (beziehungsweise dem Pfarrleitungsteam in Allerheiligen, wo dafür einst ein eigenes Modell entwickelt wurde) beschickt wird.

Den einzelnen Gemeinden bleiben auch ihre bisherigen Pfarrer mehr oder weniger erhalten: Pfarrer Brenner vom Göttlichen Erlöser ist nun eben Pfarrer aller drei Teilgemeinden; Gerhard Bauer, der bisherige Pfarrer der Teilgemeinde Muttergottes im Augarten, bleibt dort als Pfarrvikar; und in Allerheiligen ist zwar Pfarrer Fritz Koren nun in Pension, er wird aber künftig als Seelsorger aushelfen. Darum hat ihn sein Nachfolger Brenner gebeten. "Ich werde mich einbringen, aber nicht einmischen", hat Koren zu seinem Pensionsantritt versprochen. Zusätzlich wurde in der Teilgemeinde Allerheiligen der bisherige Kaplan zum Pfarrvikar, und ein zweiter Pfarrvikar ist neu dazugekommen. Er stammt übrigens aus Polen, womit die Pfarre Neu "Zu Allen Heiligen" noch ein bisschen multinationaler wird. Denn die beiden Aushilfskapläne kommen aus Afrika (Benin und Belgisch-Kongo), einer der drei Diakone ist Burgenland-Kroate, und der Pastoralassistent kommt aus Kroatien.

Im Gegensatz etwa zur Pfarre Neu "Zum Göttlichen Wort" in Favoriten, wo fast alle Priester nun gemeinsam in einem Pfarrhaus untergebracht sind, setzt Pfarrer Brenner im 20. Bezirk auf Dezentralisierung: Es soll nicht nur in allen drei Teilgemeinden weiterhin Pfarrkanzleistunden geben, sondern auch in jedem Pfarrhaus mindestens ein Priester wohnen, "damit in jeder Gemeinde ein Geistlicher direkt vor Ort ist". Das mag ein Stück weit auch damit zu tun haben, dass das gemeinsame Pfarrgebiet nicht zusammenhängt. Der Grund dafür sind unterschiedliche pastorale Orientierungen der direkt benachbarten Pfarren im 20. Bezirk.

Für Unruhe hat anfangs innerhalb der Pfarre Neu die Wahl der Hauptkirche gesorgt. Auch wenn es fast logisch war, dass dies Allerheiligen als größte Teilgemeinde wurde, gab es einigen Widerstand in den beiden anderen Teilgemeinden. Dafür gab es zum neuen Pfarrnamen "Zu Allen Heiligen" - der freilich der Gemeinde in Allerheiligen zupasskommt - erstaunlicherweise relativ große Zustimmung auch in den anderen beiden Teilgemeinden.

Fusion von drei Marienkirchen

In etwas mehr als einem Monat steht übrigens die nächste Errichtung einer Pfarre Neu in Wien an: Mit 1. November schließen sich im 3. Bezirk die Pfarren Rennweg (Maria Geburt), Arsenal (Maria vom Siege) und An der Muttergotteskirche (Maria Schnee, Jacquingasse) zur Pfarre Neu "Maria Drei Kirchen" zusammen.