Wien. (pif) Der Fonds Soziales Wien (FSW) präsentierte am Montag seinen Geschäftsbericht für das Jahr 2016 - erstmals nur in digitaler Form. Insgesamt betrug das Budget des FSW im Vorjahr 1,621 Milliarden Euro, berichtete FSW-Geschäftsführer Peter Hacker gemeinsam mit Sozialstadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) am Montag. Den Großteil seiner Kunden hatte der Fond Soziales Wien im Bereich Pflege- und Betreuungsbedarf. Im Vorjahr waren das 58.800 Senioren. Hier wurden insgesamt 1,028 Milliarden Euro aufgewendet. Im Vergleich zu 2015 habe es in diesem Bereich einen moderaten Zuwachs gegeben, so Hacker. Jedoch rechnet er ab 2025 mit einem rasanten Anstieg dieser Nachfragegruppe. "Wir befinden uns momentan an der Talsohle."

Der Grund für den erwarteten Anstieg: Bisher war die Zahl der Pflegebedürftigen relativ gering, da viele aus dieser Generation den Zweiten Weltkrieg nicht überlebt haben. Nun kommt aber auch die Nachkriegsgeneration in ein Alter, in dem oft Pflegeleistungen in Anspruch genommen werden müssen, hieß es.

Zweitgrößte Gruppe waren dem Geschäftsbericht zufolge die rund 36.700 Flüchtlinge in der Grundversorgung. Hier lag die Zahl im Jahr 2015 mit rund 26.000 deutlich niedriger. Insgesamt flossen 166 Millionen Euro des Budgets in die Grundversorgung von Geflüchteten. Auch in Sachen Asyl gibt es eine Prognose: "Die Zahlen sollten sich wieder halbieren", schätzt Hacker.

Die Gesamtzahl der FSW-Kunden betrug 128.300. 59.000 Personen erhielten Pflege- und Betreuungsleistungen. 13.200 Menschen mit Behinderung wurden mit 276 Millionen Euro unterstützt, 66 Millionen Euro flossen in die Wohnungslosenhilfe. 47.300 Hausbesuche wurden durchgeführt.

Finanziert wird der FSW vor allem von der öffentlichen Hand sowie zu einem kleinen Teil von Kostenbeiträgen der Hilfsempfänger. Diese mussten 2016 insgesamt 470 Millionen Euro zahlen. Die Zahl der Beschäftigen des FSW wird im Geschäftsbericht mit rund 1700 beziffert.

Das Gesamtbudget von 1,6 Milliarden Euro sei das bisher Größte gewesen und zum überwiegenden Teil direkt in Projekte investiert worden, so Hacker. Der Verwaltungsaufwand betrug dem gegenüber nur 4,2 Prozent des Budgets. Im Übrigen zahlen auch die Leistungsempfänger einen Kostenbeitrag. "Wir sind nicht der Bankomat des Sozialwesens", so Hacker. Vielmehr stehe die Beratung und Begleitung der Kunden im Vordergrund, um ihnen ein selbständiges Leben zu ermöglichen.

Neben der Begleitung von Senioren berät der FSW auch Menschen mit Behinderung, Obdach- und Wohnungslose sowie Schuldner. Für Letztere bietet die Schuldnerberatung des FSW etwa ein betreutes Konto an. Kunden verfügen dabei nur über das Geld, das nach Abzug fixer Kosten wie etwa der Miete noch übrig ist. Das helfe dabei, Zahlungsprioritäten einzuhalten, so der FSW. "Unser übergeordnetes Ziel ist es, die Selbständigkeit der Menschen zu bewahren", sagt Sozialstadträtin Sandra Frauenberger. Durch solche und ähnlich Angebote könne das gewährleistet werden. Insgesamt suchten 2016 fast 10.000 Menschen Unterstützung in der Schuldnerberatung.

Angehörige entlasten

Erst dieses Jahr umgesetzt wurde die telefonische Gesundheitsberatung in den Bundesländern Niederösterreich, Vorarlberg und Wien. Mit vergangener Woche seien laut Frauenberger 13.000 Anrufe eingegangen. Die neue Hotline 1450 wurde anlässlich des Weltgesundheitstags am 7. April dieses Jahr gestartet und sollte unter anderem Ambulanzen entlasten. Dieses Ziel habe man erreicht, so Frauenberger.

Neben den Betroffenen selbst sei es auch wesentlich, die Angehörigen zu entlasten so Frauenberger. Um das Angebot in diesem Bereich weiter zu verbessern, wurden Anfang 2016 im Rahmen des Pilotprojekts "Tageszentrum plus" die Öffnungszeiten des Senioren-Tageszentrums Favoriten an Wochenenden und Feiertagen erweitert. Die Zufriedenheit der Kunden sowie der Angehörigen mit dieser Form der Pflege sei hoch, so Frauenberger. Vor allem, da die Senioren in ihrer gewohnten Umgebung bleiben könnten.

Grund für die Entscheidung, den Geschäftsbericht nur noch digital zur Verfügung zu stellen, sei im Übrigen Hacker zufolge das große Interesse an den Tätigkeiten des FSW. Mehr als eine halbe Million Broschüren habe man 2016 ausschicken müssen. "Das sind allein die abgefragten Broschüren", betont Hacker. Auch daher habe man sich entschieden, beim Jahresbericht auf Papier zu verzichten.

Jetzt ist der Bericht zu einem "Lesebuch" geworden, wie Hacker meinte: Je nach Interesse findet man so nun neben Zahlen, Daten und Fakten auch "wahre Geschichten" aus der Arbeit des FSW. Und wem das Lesen zu anstrengend ist, kann sich auch kurze Videos anschauen.

www.2016.fsw.at