Wien. In Favoriten hat es begonnen. Hier ist vor einem halben Jahrzehnt der Startschuss für die Strukturreform der Erzdiözese Wien gefallen, und am 1. Juni 2015 wurde hier die erste Pfarre Neu "Zum Göttlichen Wort" gegründet, die drei Teilgemeinden umfasst (siehe Karte). Zweieinhalb Jahre später stellt deren Pfarrer Matthias Felber fest: "Ich bin eher ein Manager als ein Pfarrer im alten Sinn." Schließlich muss er drei teils verschieden gepolte Gemeinden unter einen Hut bringen. "Natürlich ist eine kleinere Einheit leichter zu verwalten und auch viel leichter pastoral zu betreuen." Aber Felber mag diese Herausforderung, wie er im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" betont. Und in gewissem Sinne ist Pfarrer Felber die Personifizierung dessen, was der zuständige Wiener Generalvikar Nikolaus Krasa einmal formuliert hat: Es gebe zwar viele fähige Seelsorger, aber nicht so viele fähige Pfarrer - was mit ein Motiv für die Zusammenlegung von Pfarren ist.

Seit 1. Oktober gibt es im Wiener Stadtgebiet inzwischen insgesamt acht Pfarren Neu: Die jüngste ist "Maria-Drei-Kirchen", die sich aus den bisherigen drei Marienpfarren "Maria Schnee" (Pfarre An der Muttergotteskirche), "Maria vom Siege" (Pfarre Arsenal) und "Maria Geburt" (Pfarre Rennweg) bildet. Dort ist man stolz darauf, einen gemeinsamen Pfarrnamen gefunden zu haben, bei dem "keiner seine Identität verliert", wie es auf der Website www.mariadreikirchen.at heißt. Offiziell eingeweiht wird die Pfarre Neu im Rahmen einer Festmesse am 12. November um 10 Uhr mit Erzbischof Christoph Schönborn in der Pfarrkirche am Rennweg 91.

Während andere Pfarren Neu erst zusammenwachsen mussten und müssen, ist man hier schon einen Schritt voraus, erklärt Pfarrer Clifford Gratian Pinto: "Die Pfarren Rennweg und Arsenal sind schon vor drei Jahren de facto zusammengelegt worden, weil die Pfarre Arsenal so klein war. Der finanzielle Aufwand für einen eigenen Pfarrer hat sich da nicht mehr gelohnt." Mit Anfang Oktober ist nun die dritte Pfarre dazugekommen, und gemeinsam bilden die drei die Pfarre Neu "Maria-Drei-Kirchen". "Bei uns läuft die Zusammenlegung sehr gut, auch die Erzdiözese ist sehr zufrieden mit dem Verlauf", meint Pfarrer Pinto, der die Pfarre Rennweg seit zwölf Jahren kennt. Vermutlich spielt auch diese Vertrautheit dabei eine Rolle.

Ehrenamtliche nicht "ausbrennen" lassen

Im 10. Bezirk hat Pfarrer Felber in den vergangenen zweieinhalb Jahren seit der Gründung der Pfarre Neu immer wieder gespürt, "dass wir ein Pilotprojekt sind, was verschiedene Bereiche der Pfarre Neu betrifft". Man sei öfters an bestimmte Punkte gekommen, an denen die Hilfe der Erzdiözese Wien gebraucht wurde. Und bei denen auch die Erzdiözese erst Antworten finden musste. Man kann die Pfarre Neu "Zum Göttlichen Wort" also durchaus als Versuchskaninchen für den Strukturprozess sehen.

Felber erinnert sich in diesem Zusammenhang etwa an "einen nebulosen Auftrag, ein Pastoralkonzept zu erstellen". Derartige Konzepte gab es zwar schon früher, "aber die Rahmenbedingungen mit mehreren Gemeinden gemeinsam waren dann doch eine neue Herausforderung". Das Ergebnis dieses Prozesses kann nun auch anderen Pfarren als Vorlage dienen. Und der Pfarrer war auch schon in anderen Dekanaten eingeladen, um seine bisherigen Erfahrungen zu schildern.

"Wir sind immer noch am Lernen und am Suchen", meint Felber, der auch von einer gewissen Aufbruchsstimmung in seiner Pfarre Neu berichtet. Trotzdem setzt er auf kleine Schritte, auch um die Menschen in seiner Pfarre nicht zu überfahren oder zu überfordern. Schließlich hat er es ja mit lauter ehrenamtlichen Mitarbeitern zu tun, "und mit denen kann man nicht so umgehen wie mit Angestellten in der Privatwirtschaft".

Dialog auf Augenhöhe lautet das Motto, das auch der Kärntner Diözesanbischof Alois Schwarz ausgerufen hat. Nicht zuletzt, weil die Gefahr besteht, dass die Ehrenamtlichen, die wohl künftig noch stärker eingebunden werden (müssen), um die Pfarren am Laufen zu halten, irgendwann "ausbrennen" und sich wieder zurückziehen könnten. Der Pfarrer muss die Gemeinde also nicht nur managen, sondern auch motivieren. Bischof Schwarz, der die Pfarren "Hoffnungsorte" nennt, ist gegen einen "flächendeckenden Plan mit einer Großraumseelsorge". Er sieht in den laufenden Prozessen auch "eine neue Chance für das Christsein und die Kirche in der heutigen Gesellschaft".

Und der Eisenstädter Bischof Ägidius Zsifkovics hat jüngst zur verstärkten Zusammenarbeit zwischen Kirchenvolk und Klerus aufgerufen. Denn: "Die Laien sind der große Schatz der Kirche." Auch wenn der Abschied von alten Strukturen und Denkmustern manchen schwerfalle, weil dies "ein Umdenken vom jahrzehntelang verinnerlichten Einzelkämpferdasein als Priester und einen Abschied von den Formen der Vollversorgungsmentalität" bedeute, müsse allen klar sein: "Ein Verharren im Alten wird nicht möglich sein."