Wien. Ab 1. Jänner 2018 ziehen die Wiener Linien wieder mit den Fahrkartenpreisen an. Dabei handle es sich um die erste Erhöhung seit 2014, betont Geschäftsführerin Alexandra Reinagl. "Ich persönlich halte nichts von jährlichen Anpassungen, das ist unnötiger Aufwand und verärgert die Kunden", sagt sie. Die Tarifanpassungen wären wegen des Ausbaus der U1 nach Oberlaa, des Baus des Linienasts von U2 und U5 sowie 413 Millionen Euro Netzinvestitionen nötig, heißt es.

Allen voran wird der Einzelfahrschein teurer, der statt wie bisher 2,20 Euro 2,40 Euro kosten wird. Ermäßigte Einzelfahrscheine erhöhen sich jeweils um 10 Cent. Das mobile Tagesticket kommt mit einer Preiserhöhung um 30 Cent davon und kostet dann 5,80 Euro.

Beim 24-Stunden-Ticket werden in Zukunft 40 Cent aufgeschlagen, für 48 Stunden 80 Cent und das 72-Stunden-Ticket kostet mit 17,10 Euro um 60 Cent mehr. Während die Wochenkarte um 90 Cent teurer und dann ebenfalls 17,10 Euro kosten wird, muss man für die Monatskarte in Zukunft 51 Euro berappen. Das sind 2,80 Euro mehr. Auch der Preis für die 8-tage-Klimakarte erhöht sich von 38,40 Euro auf 40,80 Euro. Mobil- beziehungsweise Sozialpassinhaber werden mit einem Euro mehr zur Kassa gebeten und zahlen 18 Euro für ihre Monatskarte.

Stärkste Preiserhöhung bei Seniorenjahreskarten

Die stärkste Preiserhöhung spüren die Senioren, die eine Jahreskarte beziehen. Für sie erhöht sich der Preis um elf Euro auf 235 Euro im Jahr bei Einmalzahlung. Monatliche Raten erhöhen sich um 1,42 Euro, das Ticket kostet dann statt 228,96 Euro 246 Euro. "Wir haben bei den Senioren die letzte Preisanpassung 2007 vorgenommen. Außerdem sind in den vergangenen zehn Jahren die Pensionen um durchschnittlich 22 Prozent gestiegen", rechtfertigt Alexandra Reinagl diesen Schritt.

Der Seniorenbund zeigt sich darüber naturgemäß gar nicht erfreut. "Das ist nicht akzeptabel. Die Wiener Linien greifen in die Geldbörsel der älteren Menschen", ärgert sich Seniorenbund-Präsidentin Ingrid Korosec.

Neben den Jugendtickets sowie den Studententickets im Onlineverkauf bleibt einzig die reguläre Jahreskarte um 365 Euro von den Preiserhöhungen unberührt. "Das war ein ausdrücklicher Wunsch der Stadt Wien, als Bekenntnis zum öffentlichen Verkehr", räumt Reinagl ein. Außerdem wird betont, dass Wien im europäischen Vergleich noch immer die günstigsten Jahreskarten hat. Nur Innsbruck, Linz und Rom sind billiger. Der Europaschnitt für Jahreskarten liegt übrigens bei 780 Euro, in London muss man satte 3866 Euro fürs Ticket zahlen.

Unangetastet bleibt das Ticket wohlgemerkt aber nur, wenn man die 365 Euro sofort begleicht. Bei Ratenzahlung kommen monatlich 1,75 Euro hinzu und statt insgesamt 275 Euro werden künftig 396 Euro fällig. Von den 760.000 Jahreskartenbesitzern zahlen in etwa ein Drittel den gesamten Betrag sofort, während zwei Drittel den Ticketpreis monatlich abstottern. Die monatlichen Zahlungen seien auch mit größerem Verwaltungsaufwand verbunden, heißt es seitens der Wiener Linien. Dass mit der Tarifplanung den Kunden die Nutzung der Jahreskarte mit Einmalzahlung anscheinend schmackhafter gemacht werden soll, verwundert nicht.

Insgesamt erwartet man sich bei den Wiener Linien eine Steigerung der Umsatzerlöse um 3,7 Prozent, was bedeutet, dass auch die Ticketpreise im Schnitt um diesen Satz steigen. Im vergangenen Jahr konnten die Wiener Linien rund 500 Millionen Euro durch den Ticketverkauf lukrieren, was den laufenden Betrieb inklusive Netzausbau aber nicht abdecken kann. Da vonseiten der Stadt Wien keine Erhöhung der Zuschüsse (diese belaufen sich laut Voranschlag für 2017 auf 330 Millionen Euro) zu erwarten ist, will man die zusätzlichen Kosten, die um 5,3 Prozent gestiegen sind, durch Effizienzsteigerungen einsparen. Dafür werden unter anderem die Fahrzeuglieferanten bei den Wartungsarbeiten stärker in die Pflicht genommen. Außerdem soll die Verwaltung verschlankt werden. Hierbei setzt man aber auf natürliche Abgänge, die Verschiebungen von Beamten- zu Kollektivverträgen und weniger Neueinstellungen. "Abgebaut wird niemand", stellt Reinagl klar.

Goodbye, Vierfahrtenstreifenkarte

Die Wiener-Linien-Chefin wünscht sich auch eine Reduktion der Verkaufs- und Servicestellen von derzeit 23 auf zehn bis 15. Die Kunden sollen stärker an Onlineangebote herangeführt werden. "Wenn Studenten für die Jahreskarte Schlange stehen und gleichzeitig am Smartphone auf Amazon bestellen, müssen wir uns fragen, was wir falsch machen", meint Alexandra Reinagl.

Per Neujahr ändern sich nicht nur die Preise der Öffitickets. Einige Fahrkarten wie das 90-Minuten-Ticket, die Einkaufskarte oder die Vierfahrtenstreifenkarte werden wegen geringer Nachfrage aufgelassen. Dafür wird das Sortiment um einen Zweifahrtenfahrschein sowie einen Einzelfahrschein für Senioren reicher. Die Einzel- und Doppelfahrscheinewürden das Sortiment auch etwas mehr vereinheitlichen, heißt es seitens der Verkehrsbetriebe.

Das neue Jahr wird auch das Ende des Fahrkartenverkaufs in Autobussen direkt beim Fahrer einläuten. "Nur 0,06 Prozent kaufen ihren Fahrschein im Bus. Der Aufwand und die Fahrtverzögerungen stehen da einfach nicht mehr dafür", betont Alexandra Reinagl. In den Straßenbahnen werden die Automaten aber bestehen bleiben. Das bedeutet aber auch, dass es in Zukunft nicht möglich sein wird, einen Nightline-Fahrschein zu lösen. Am Wochenende kein Problem, aber wenn beispielsweise Dienstagnacht die U-Bahn-Stationen geschlossen und daher kein Automat in Reichweite ist? Für spontane oder unvorbereitete Nachtschwärmer bedeutet das, ein Onlineticket zu lösen, schwarz zu fahren oder ein Taxi zu nehmen.