Wer an einem Meetup, einem Treffen, teilnehmen oder eines organisieren möchte, muss also raus aus der Komfortzone, raus aus der Anonymität und rein in das echte Leben. Jeder kann eine Gruppe gründen oder Mitglied einer Gruppe werden, um beispielsweise Gleichgesinnte zu finden, sich für etwas zu engagieren und gemeinsam Dinge zu verändern, Freunde zu finden, Spaß zu haben, zu lernen oder zu lehren, Ideen zu verbreiten oder eigene Projekte zu starten. Die Philosophie dahinter: "Wir glauben, dass die Welt ein besserer Ort wird, wenn jeder die Möglichkeit hat einer tollen, lokalen Gruppe beizutreten", heißt es.

Stefan Malzner, der die erfolgreiche und kostenlose Multimessenger-App "Franz" entwickelt hat, nutzt Meetup vor allem beruflich. "Meetup ist einer der größten Plattformen, obwohl es in Österreich noch relativ klein, aber stark am Wachsen ist. In Wien finden täglich zwischen sieben und 20 Meetups statt. Der Fokus liegt aber nicht nur auf technische Meetups, sondern man kann auch beispielsweise Kochkurse belegen", erklärt Malzner, der die "Vienna GameDev-Meetup-Gruppe", eine Plattform für Spielentwickler, ins Leben gerufen hat und als Mitorganisator 27 Meetups in Wien initiiert hat. "Wir hatten damals unser Gamestudio gerade Mal einen Monat lang und wir wollten uns mit anderen Entwicklern aus der Community austauschen. Dann hat sich für uns die Frage gestellt: Wie bauen wir ein Netzwerk auf? Aufgrund der Meetups konnten wir uns als Opinion-Leader positionieren. Ein Meetup ist für Unternehmen ein wichtiger Faktor. Man stärkt sein Profil und macht sich einen Namen als Experten", weiß Malzner.

"Ein Baby von 9/11"

Meetup wurde 2002 von dem New Yorker Scott Heiferman ins Leben gerufen. "Die meisten wissen nicht, dass die Anschläge vom 11. September 2001 einen großen Einfluss auf die Gründung hatte", schreibt Heiferman in einem seiner Blogbeiträge und nennt sein Projekt "ein Baby von 9/11".

Scott Heiferman wohnte damals in der Nähe des World Trade Centers. "Damals dachte ich, dass für mich die lokale Community keine Rolle spielt", schreibt Heiferman. Nach den Terroranschlägen änderte sich nicht nur seine Einstellung, sondern auch seine Beziehung zu seinen Nachbarn. "Man grüßte sich plötzlich, auch Leute, die man nicht kannte und auf der Straße getroffen hat. Die Menschen haben sich umeinander gekümmert, sich gegenseitig geholfen und Treffen vereinbart. Viele Leute dachten, dass vielleicht der 11. September die Menschen zusammenbringen könnte. Damit war die Idee für Meetup
geboren und es stellte sich die Frage, können wir das Internet nutzen, um die lokale Gemeinschaft zu stärken?", so Heiferman. Zehn Jahre nach der Gründung hat Meetup zehn Million Mitglieder - in den vergangenen fünf Jahren hat sich die Zahl verdreifacht. Derzeit sind weltweit 32 Millionen Menschen aktiv. Das soziale Netzwerk besteht aus 288.726 Meetup-Gruppen in 182 Ländern - von den USA, der Geburtsstätte der Plattform, über Südkorea, Hongkong und Indien bis zu Finnland, Dänemark und Österreich. "Der 11. September hat uns nicht entzweit. Im Gegenteil, wir haben eine neue Gemeinschaft zusammen aufgebaut", kommentiert Meetup-Gründer Heiferman.