Wien. Es ist fünf Uhr Früh im Post Logistikzentrum Nord. Trotz stockfinsterer Nacht herrscht hier bereits geschäftiges Treiben. In meterhohen, fahrbaren Gitterboxen stapeln sich die Pakete, die an diesem Tag geliefert werden sollen, einige sind sogar schon in Geschenkpapier verpackt. Auf dem Gelände stehen noch einige große Container, die teilweise bis zu 1000 neue Pakete bringen. Sie werden auf Förderbänder entladen und quer durch die große Halle geschickt.

"Das Entladen der Zulieferer, das Registrieren und Sortieren der Ware, das passiert eigentlich alles in der Nacht. Doch wenn viel los ist, kommt oft bis am Morgen neue Ware", erklärt Juan Rodriguez, Basisleiter des Logistikzentrums Nord.

115.000 Pakete pro Tag


Und viel los war jetzt in der Vorweihnachtszeit auf jeden Fall. 525 Euro wollen die Österreicherinnen und Österreicher durchschnittlich für Weihnachtsgeschenke ausgeben, wie eine aktuelle Umfrage des Marktforschungsinstituts Integral im Auftrag der Erste Bank und Sparkassen ergeben hat, 2016 waren es noch 395 Euro. 70 Prozent davon kaufen im Einzelhandel, etwa ein Drittel im Internet und ein Fünftel im Versandhandel. Im Moment kann der stationäre Einzelhandel ein leichtes Umsatzplus von einem Prozent im Vergleich zum Vorjahr verzeichnen.

"Zur Weihnachtszeit hat der Online-Handel mit etwa sechs Prozent einen geringeren Anteil am Umsatz im österreichischen Einzelhandel als übers Jahr", erklärt Roman Seelinger, stellvertretender Geschäftsführer der Bundessparte Handel in der Wirtschaftskammer Österreich. Weihnachtsgeschenke seien stark emotional besetzt, zudem gäbe es immer mehr Spätkäufer. Problematisch sei, dass immer mehr Kaufkraft ins Ausland fließen würde, momentan mindestens genauso viel wie in den heimischen Online-Handel.

Auch im Logistikzentrum Nord sieht man auf den ersten Blick, wie viele der Pakete tatsächlich von Amazon stammen. Sie werden je nach Region gemeinsam mit den anderen Paketen auf die Zusteller aufgeteilt. Walter Mayerhofer ist einer von ihnen. Der 56-Jährige ist schon seit vielen Jahren im Betrieb, seine Tour kennt er mittlerweile auswendig. 280 Pakete würden heute für ihn anfallen, doch 80 davon wird ein Frächter übernehmen. "Sonst wär’ ich ja um acht am Abend noch nicht fertig". Um fünf Uhr beginnt seine Schicht, etwa zwölf Stunden später wird er sie wieder beenden. Die Mittagspause lässt er ausfallen.

Alleine 60.000 Pakete verlassen das Logistikzentrum Nord gerade pro Tag. Geliefert wird in die Bezirke 2., 18., 19. und 21.. Den Süden von Wien erledigt ein etwa doppelt so großes Verteilerzentrum in Inzersdorf. Insgesamt werden in Wien derzeit täglich 115.000 Pakete geliefert. "Wir platzen hier schon aus allen Nähten", stellt Juan Rodriguez fest. Er selbst ist seit 25 Jahren im Geschäft und hat den Anstieg des Versandhandels selbst miterlebt. Die Zustellung wird in zwei, manchmal auch drei Wellen erledigt, seit zwei Jahren auch am Samstag. "Früher war nur der Winter eine Hochsaison, jetzt ist es auch der Sommer, wenn die Leute auf Urlaub fahren. Trotzdem wissen wir meist nicht, mit welchen Zahlen wir rechnen können. Nur, dass der Markt immer weiter steigt."