Weiße Engel ohne Flügel und 500 Euro für die Spendenbox

Diese und andere Anekdoten – nicht nur zum Sternsingen – sind auch in den mittlerweile drei "Pater Martin"-Büchern nachzulesen, die in Zusammenarbeit mit dem ORF-Redakteur Florian Kobler und dem Illustrator Michael Wansch im Freya Verlag herausgebracht wurden.
Ein Kapitel ist auch einem eher ungewöhnlichen Sternsingerbesuch gewidmet: In seiner Zeit in Villach ging Bichler nämlich mit seinen kleinen Königen kurzerhand auch in ein Bordell. "Zuerst hatte ich Bedenken: Was würden wohl die Leute sagen, wenn der Pfarrer ins Puff geht? Aber dann läuteten wir einfach an der Tür", sagt er im Rückblick. "Der Bordellchef machte große Augen, als er einen Franziskaner mit den Heiligen Drei Königen vor seiner Tür stehen sah. Doch er freute sich riesig und meinte, wir sollten ruhig hereinkommen. Er rief seinen Mädchen zu, sie sollten sich schnell etwas anziehen und herkommen. Sie trugen weiße Kleider und sahen aus wie Engel ohne Flügel, als sie von der Bar, den Amüsierzimmern und den Tabledance-Stangen zu uns kamen." Nach den obligatorischen Liedern und Sprüchen durften die Sternsinger auch den Segen "C+M+B" mit Kreide an die Bordelltür schreiben – und bekamen neben Süßigkeiten auch ganze 500 Euro in ihre Büchse.

Von der Feuerwehr aus dem Aufzug befreit

Blaulicht statt Rotlicht gab es wiederum in St. Johann. Da blieb einmal eine Gruppe mit dem Lift zwischen zwei Halbstöcken stecken. Weil der herausgeläutete Hausmeister auch nichts tun konnte, wurde schließlich die Feuerwehr alarmiert. Drei Mann standen dann in voller Montur da, als die Kabine den letzten Meter absolvierte, und bekamen von den befreiten Heiligen Drei Königen ein Ständchen gesungen.
Es war nicht das erste Mal, schließlich liegt die Feuerwache Favoriten im Pfarrgebiet von St. Johann und bekommt jedes Jahr Besuch von den Sternsingern. "Da werden dann immer alle anwesenden Feuerwehrleute in den Mannschaftsraum gerufen, um den Kindern zuzuhören", erzählt die langjährige Begleiterin und DKA-Organisatorin Barbara Radlmair. "Einmal wurden sie auch mit der großen Leiter nach oben ‚in den Himmel‘ gefahren. Das hat sie sehr beeindruckt."
Radlmair selbst ist Jahr für Jahr von den Kindern beeindruckt, die sich freiwillig in ihren Schulferien in den Dienst der guten Sache stellen. Während andere daheim ausruhen, fernschauen, Computer spielen oder sonst tun, was Schüler halt so in ihrer Freizeit machen, legen zwischen 27. Dezember und 6. Jänner mehr als 85.000 Kinder in Österreich mit gut 20.000 Begleitern mehrere Tage lang jeweils einige Kilometer zurück und ziehen von Haus zu Haus. Den Auftakt dazu macht die traditionelle Sternsinger-Visite beim Wiener Erzbischof Christoph Schönborn heute, Mittwoch. Heuer ist hier eine Gruppe der Pfarre Maria-Drei-Kirchen im 3. Bezirk dran. Deren DKA-Leiter Konstantin Niederhuber berichtet, dass die Zahl der Sternsinger in seiner Pfarre in den vergangenen Jahren stark gewachsen ist. Mit gut 110 Kindern und Jugendlichen ist es inzwischen eine der größten, wenn nicht sogar die größte Dreikönigsaktion in der Erzdiözese Wien. Neben dem Promi-Termin bei Kardinal Schönborn schickt Maria-Drei-Kirchen in Kooperation mit der Pfarre Schwechat auch eine Sternsinger-Abordnung auf den Wiener Flughafen.