Seit 1906 befindet sie sich am heutigen Standort in der Wipplingerstraße 12. Verantwortlich dafür zeichnete Maximilian Korwill, der die Apotheke 1901 kaufte - und Marosis Urgroßvater war. 1935 übernahmen die beiden Töchter Edith Schüller, Marosis Großmutter, sowie Gertrud Saphir. Die eine hatte Pharmazie studiert, die andere Wirtschaft - der Vater wähnte das als ideale Kombination, um das Geschäft erfolgreich weiterzuführen. Doch die Geschichte sah anderes vor.

Schon im Frühjahr 1938 beantragte eine Mitarbeiterin der Apotheke, die bereits vor der Machtübernahme der Nazis illegale Nationalsozialistin gewesen war, die "Arisierung". Die Übernahme erfolgte rasch. Saphir emigrierte noch im selben Jahr mit ihrem Mann in die USA. Schüller aber blieb in Wien, vor allem um die Mutter nicht alleine zu lassen. Diese hatte inzwischen wieder geheiratet, nun einen Nichtjuden, der vor den Behörden angab, der Vater Schüllers zu sein. So hatte sie den Status einer "Halbjüdin" und schlug sich bis 1944 mit verschiedensten Arbeiten durch. Überrascht waren Marosi und ihre Mutter Sylvia Friedrich, die die Apotheke nach ihrer Mutter bis 2012 geführt hatte, als sie nach dem Tod der Großmutter Zeugnisse aus der NS-Zeit gefunden hatten. Diese ließ sich zur Kosmetikerin und Schneiderin ausbilden, arbeitete als Krankenpflegerin im jüdischen Spital oder bei einem jüdischen Pelzschneider.

Versteckt in der
Innenstadt gelebt

Es hat den Anschein, als ob sie stets nach neuen Möglichkeiten suchte, ihre Existenz zu sichern. Als ihr 1944 jedoch der so genannte Mischlingsstatus aberkannt wurde, war sie gezwungen, sich zu verstecken. Das gelang mit der Hilfe ihres späteren Mannes. Bis zum Kriegsende lebte sie verborgen in einer Wohnung im ersten Bezirk.

Nach der Befreiung Österreichs durch die Alliierten bemühte sich die Großmutter, die Apotheke wieder zurückzubekommen. Sie war zunächst bis 1955 als Verwalterin eingesetzt, danach ging das Unternehmen wieder in Familienbesitz über. Die frühere "Ariseurin" hatte das Land rasch nach Kriegsende fluchtartig verlassen, nachdem sich ihr Mann das Leben genommen hatte, so Marosi.

Ihr tut es heute leid, dass sie mit der Großmutter nie über die jüdischen Wurzeln und die NS-Zeit gesprochen hat. Doch diese hatte den ganzen Themenkomplex quasi zum Tabu gemacht.

Gefeiert wurden die christlichen Feste

Gefeiert wurden die christlichen Feste Ostern und Weihnachten, die Großmutter ließ sich taufen - trat später aber auch wieder aus der Kirche aus. Die Enkelin muss schmunzeln, wenn sie das erzählt - auch sie wurde getauft, wobei Religion in der Familie nie wirklich gelebt wurde, trat als Erwachsene aus und ist inzwischen Mitglied der jüdischen Gemeinde.

Sie habe zwar nichts an Traditionen mitbekommen, freue sich aber nun, dieser Gemeinschaft anzugehören. "Als ich noch jung war, habe ich nicht gedacht, dass das wichtig sein könnte für mich. Plötzlich fand ich es ein schönes Gefühl, Mitglied einer Gemeinschaft zu sein, ohne dass ich etwas erfüllen muss. Es ist egal, ob ich religiös bin oder wie oft ich in die Synagoge gehe, ich gehöre dazu." Den Anstoß zu diesem Schritt gaben dabei auch die vielen Stunden, die sie im Archiv der IKG nach dem Tod der Großmutter verbracht hat, um die Geschichte der Apotheke und damit auch der Familie zu recherchieren. Und nun fertigt ihre Apotheke koschere Nahrungsergänzungsmittel.