- © A. Mathé
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Wien. Gleich wird Mario Viska dribbeln. Der Rapidler fixiert seinen Gegenspieler mit festem Blick. Links täuscht er an, rechts geht er vorbei. Ein Pass. Ein Schuss. Tor! Allmählich weicht die Spannung aus Marios Gesicht. Zufrieden legt er den Spielecontroller zur Seite. "Fifa ist wie Fußball. Man muss das Spiel verstehen", sagt er überzeugt. Gemütlich sitzt Mario vor seinen Arbeitsgeräten: der Spielekonsole und dem Bildschirm. Was für andere ein Zeitvertreib ist, ist für den 30-jährigen Wiener ein Beruf. Denn Mario ist E-Sportler, er verdient sein Geld damit, professionell Computerspiele wie die Fußballsimulation Fifa zu spielen.

"Für mich war immer klar, dass ich E-Sportler werden möchte. Ich wusste, dass es Möglichkeiten gibt, in diesem Bereich Karriere zu machen", sagt Viska. Diese Möglichkeiten lassen sich durchaus sehen; denn längst ist der elektronische Sport international eine hunderte millionenschwere Industrie geworden. Das Turnier "The International" im Computer-Strategiespiel Dota 2 war 2017 mit 24,5 Millionen Dollar dotiert. Damit spielt man schon allmählich in Größenordnungen von Massensportarten wie Tennis mit: Beim French Open gab es 36 Millionen Euro zu gewinnen. Gute E-Sportler können konsequenterweise Millionenbeträge kassieren. Zum Vergleich: Ski-Überflieger Marcel Hirscher verdiente in der Saison 2016/2017 der FIS zufolge 450.000 Euro an Preisgeldern.

Dieser internationale Höhenflug der E-Sportbranche färbt auch auf Österreich ab. Das zeigt sich am Beispiel von Fifa. Seit 2017 gibt es für das Spiel eine eigene E-Sports-Bundesliga. Bei dieser treten E-Sportler als Vertreter sämtlicher Erstligaklubs gegeneinander an. Doch auch so schießen Turniere aus dem Boden. Es gibt Kleinturniere, Staats- und Weltmeisterschaften. Eines dieser Turniere verhalf auch Mario Viska zum Durchbruch.

"Im Jahr 2006 bin ich Profi geworden, weil ich mich für die Europameisterschaft qualifiziert habe", erinnert sich Mario. In Österreich steckte der E-Sport noch in den Kinderschuhen. So gestaltete sich auch seine Teilnahme an dem Turnier noch wenig luxuriös und chaotisch. Zum Austragungsort Leipzig fuhr er mit dem Zug. "Ich habe vier Mal umsteigen müssen und war 12 Stunden unterwegs. Das war eine Katastrophe", erzählt Viska. Die Mühe zahlte sich aus. Mario wurde Dritter. Von da an ging es bergauf.

Mit dem Erfolg kam auch das Geld. Das E-Sportteam SK Gaming stellte ihn an. Von da an erhielt Mario für sein Spielen einen fixen Lohn. Auch der Fußballklub Schalke04 wurde auf ihn aufmerksam - große Fußballvereine wie auch PSG und Manchester City haben längst eigene E-Sportteams und E-Sportler unter Vertrag. Der deutsche Traditionsklub engagierte Mario. Die Erfolge häuften sich. Er gewann zahlreiche Turniere und wurde sechs Mal deutscher Meister.