Wien. Ja, Katowice. Da bekommt das Europa des E-Sports glänzende Augen. In der polnischen Kleinstadt wurde Anfang März das Computerspiel-Turnier "Intel Extreme Masters" ausgetragen. Stundenlang harrten Fans bei bis zu minus zehn Grad aus, um in der Arena die Spiele zu sehen. Mehr als hunderttausend Zuschauer wurden gezählt. Und auch die Preisgelder konnten sich sehen lassen: 500.000 Euro gab es beispielsweise alleine beim Spiel "Counter-Strike: Global Offensive" zu gewinnen.

"Katowice ist das große Vorbild. Diese Besucherzahlen werden wir in den nächsten Jahren einmal nicht schaffen. Aber in die Richtung soll es gehen", sagt Alexander Knechtsberger, Gründer des Eventveranstalters "DocLX". Vor drei Monaten entschloss er sich, den elektronischen Sport in Österreich groß rausbringen zu wollen. Mit dem "Electronic Sports Festival" in Wien sollte an die beeindruckenden Erfolge der polnischen Stadt angeschlossen werden. "Wenn es in Polen geht, warum soll es dann in Österreich nicht gehen?", sagt Knechtsberger. Doch sein Plan ging nur bedingt auf. Der Start des E-Sportfestivals war am Wochenende verhalten.

Zahlreiche Aussteller

Trotz erstklassiger Organisation und Örtlichkeit fand sich nur eine überschaubare Menge an Besuchern in der Arena des "Hallmann Dome" in Favoriten ein (oben). Wesentlich besser besucht war hingegen der LAN-Bereich, in dem die Turnier-Vorentscheidungen ausgetragen wurden (links). - © leisure communications/C. Jobst
Trotz erstklassiger Organisation und Örtlichkeit fand sich nur eine überschaubare Menge an Besuchern in der Arena des "Hallmann Dome" in Favoriten ein (oben). Wesentlich besser besucht war hingegen der LAN-Bereich, in dem die Turnier-Vorentscheidungen ausgetragen wurden (links). - © leisure communications/C. Jobst

Dabei waren Organisation und Örtlichkeit erstklassig. Knechtsberger und sein Team wissen, wie man Massenevents vorbereitet: Sie veranstalten alljährlich die Maturareise "X-Jam". So mangelte es organisatorisch auch beim E-Sportsfestival im "Hallmann Dome" in Favoriten an nichts. Großbildschirme, Lichtshow, eine Wettkampfbühne und amphitheatralische Tribüne schufen ein eindrucksvolles Ambiente. Zahlreiche Aussteller - vom Virtual-Reality-Café Vrei bis hin zu Microsoft - bevölkerten das Gelände.

Doch das Wichtigste fehlte dann doch: die Besucher. Die zahlreichen Sitzplätze in der Arena blieben weitgehend leer. Höchstens ein Drittel war am Samstag während der Turniere besetzt, am Sonntag waren es weniger. Wirkliche Stimmung kam daher nur selten auf, etwa durch einen eingefleischten Fan-Kern des Renn- und Sportspiels "Rocket League".

Der Mangel an Arenastimmung lag wohl auch an den langen Leerpausen im Programm. Nach einem Medien-Showmatch (das "Wiener Zeitung"-Team unterlag "oe24.at" in "Counter-Strike: Global Offensive" mit 9:16) am Samstag-Nachmittag dauerte es gut zweieinhalb Stunden, bis es mit dem nächsten Spiel weiterging. In der Zwischenzeit wurden die Besucher mit elektronischer Musik und Werbevideos beglückt.

Mehr Interesse zogen daher dann auch die Aussteller auf sich. Bei ihnen konnte man etwa die neusten Technik-Gags und Spiele aus dem "Virtual Reality"-Bereich ausprobieren oder ein Match im Fußball-Simulator gegen echte Profis spielen. Und auch der LAN-
Bereich, in dem die Turnier-Vorentscheidungen ausgetragen wurden, war vergleichsweise weit besser besucht.

Insgesamt wurden - laut den Veranstaltern "DocLX Holding" und "Diamir Holding" - 6230 Besucher verzeichnet. Wesentlich mehr Zuschauer dürften online mitgeschaut haben. Auf der Website "twitch.tv", auf der man die Spiele live mitverfolgen konnte, wurden knapp 450.000 Aufrufe für den Festival-Stream gemessen.

Nächster Termin im Oktober

Österreichs Wirtschafts- und Digitalisierungsministerin Margarete Schramböck, die das Event am Samstag besuchte, sah die Veranstaltung jedenfalls optimistisch. "Es ist das erste Mal, dass das hier stattfindet und es wird auch weitere Entwicklungen geben", sagte sie gegenüber der "Wiener Zeitung".

Und auch Knechtsberger ist von seinem Konzept überzeugt. Die Finanzierung sei kein Problem gewesen: "Wir sind mit Sponsorengeldern überschüttet worden", sagt er. Schon im Oktober soll das nächste E-Sportfestival in Wien stattfinden. Auch die von Knechtsberger mitentwickelte Computerspielmesse, Game City, im Rathaus steigerte sich erst über die Jahre. Da stieg die Besucherzahl seit ihren Anfängen 2007 von 25.000 auf heute 80.000 Besucher.

Dadurch könnten auch die Preisgelder steigen. Dieses Wochenende spielte man um 20.000 Euro, verteilt auf einige Spiele. Bei Counter-Strike gab es etwa 2250 zu gewinnen, also 450 Euro pro Spieler. Wien ist eben (noch) nicht Katowice.