Wien. Seit 2011 will ein Bauträger beim Heeresspital ein gefördertes Wohnprojekt mit 950 Wohnungen umsetzen. Doch die betreffende Fläche ist unter anderem Fortpflanzungs- und Ruhestätte von Ziesel. Und diese Tiere stehen laut einer EU-Richtlinie unter strengem Schutz.

Die Ziesel sorgten somit lange Zeit für eine Pattstellung zwischen Umweltschützern und Bauwerbern: Seit Jahren versucht man die Ziesel, aber auch die dort ebenso ansässigen und geschützten Feldhamster, umzusiedeln. Im Zuge der Maßnahmen des 2012 gestarteten "Ziesel-Umlenkungsprojektes" wurde dann 2014 festgestellt, dass die Ausgleichsflächen entlang des Marchfeldkanals bereits von ersten Zieseln angenommen werden. Unterstützend wurde im Jahr 2015 ein Steg als Kleintierübergang über den Marchfeldkanal errichtet.

Trotzdem haben Tierschützer den Projektbetreibern (die Bauträgergruppe ÖVW) immer wieder unterstellt, dass sie planen, nach der Abwanderung der Hälfte der Tiere den Rest durch kontinuierliches Pflügen zu vertreiben.

Im Februar 2017 änderten sich die Rahmenbedingungen: Ein eigenes Zieselmonitoring der Umweltschutzabteilung (MA22) ergab, dass die Wiener Zieselpopulation wieder wachse und gedeihe. Wurden bei früheren Erhebungen rund 4500 bis 6000 dieser Erdhörnchen-Gattung auf dem Stadtgebiet gezählt, so waren es 2017 bereits 9500. Also genehmigte die MA22 die Arbeiten auf rund einem Drittel des Gesamtareals. Allerdings nur unter strengen Auflagen: So wurde etwa nur das Abtragen der Grasnarbe erlaubt. Der Einsatz von schwerem Gerät wurde verboten. Und wurden Baue entdeckt, mussten sie sie händisch abgetragen werden.

Kritik gab es trotzdem: Die Aktivisten kritisierten, dass die Umsiedelung der rund 200 auf dem Gesamtgebiet lebenden Ziesel nicht gelungen und die Population nur auf die restlichen (nicht bewilligten) zwei Drittel ausgewichen sei. Madeleine Petrovic, Präsidentin des Wiener Tierschutzvereins, forderte sogar, dass der Bauträger sein Projekt auf einem vergleichbaren Grundstück an anderer Stelle realisieren möge. Die MA22 wies die Kritik zurück und verwies auf die permanente ökologische Aufsicht vor Ort. Es werde sogar der Schutz der Zauneidechse berücksichtigt - sie kommt vereinzelt ebenfalls am Gelände vor und hatte die Umweltschützern auf den Plan gerufen.

Ab 2021 ist wieder Pause

Bei Bauphase 1 (siehe Grafik) handelt es sich um bereits errichtete Rohbauten für Wohnbau und einen Kindergarten. Aufgrund der bisher erfolgreichen Umsiedelung der Ziesel - bei der letzten Evaluierung wurden keine Tiere mehr gesichtet - hat nun die MA22 auch Bauphase 2 bewilligt: Auch hier will der Bauträger zuerst die Grasnarbe abbauen und im Anschluss mit der Gebäudeerrichtung beginnen. Danach ist allerdings wieder Pause: Bis 2021 soll es nämlich kein Ansuchen für neue Bewilligungen geben. "Das mittelfristige Aussetzen der Bautätigkeit ist sehr günstig, da ich als ökologische Aufsicht währenddessen sowohl räumliche Veränderungen des Zieselbestandes auf den Projekt- und Ausgleichsflächen verfolgen, als auch etwaige Auswirkungen der neuen Anwohnerschaft auf die unmittelbar benachbarten Ziesel beurteilen kann", erklärt die Verhaltensbiologin Ilse Hoffmann von der Uni Wien in einer Aussendung. Sie ist vom Bauträger mit der biologischen Aufsicht über das Projekt beauftragt.

Auf der restlichen Projektfläche und auf den Ausgleichsflächen sollen die bisherigen "Ziesel-Attraktivierungsmaßnahmen" (Mahd, Aussaat von Wiesenkräutern und Futterpflanzen sowie Bohrung von Initialröhren) fortgesetzt werden. Wann das Bauprojekt komplett abgeschlossen sein wird, hängt von den Zieseln ab.