"Wiener Zeitung": Herr Stadtrat, zwischen Wien und Bratislava fahren zwei funktionierende Twin City-Liner - warum sollen diese jetzt durch einen viel teureren ersetzt werden?

Peter Hanke: Die bestehenden Twin City Liner haben uns zwölf Jahre lang einen ausgezeichneten Dienst erwiesen - ich darf an die Rekordumsätze erinnern, die wir damit erzielt haben. Aber wir wissen auch, dass Themen wie Umweltfreundlichkeit, Effizienz und Wirtschaftlichkeit immer eine Rolle spielen. Das heißt, der Stand der Technik ist heute ein anderer als vor zwölf Jahren. Und dem tragen wir jetzt mit der neuen Einschifflösung Rechnung.

Was kann denn der neue Twin City Liner eigentlich besser als seine Vorgänger?

Er hat das doppelte Volumen an Sitzplätzen, vier sparsame Motoren, die nicht in der Höchstleistung zu fahren sind, und der Spritverbrauch ist um bis zu 800 Liter pro Tag geringer als der seiner Vorgänger.

Kommt es nicht zu längeren Wartezeiten, wenn nur noch ein Schiff zwischen den Städten Wien und Bratislava pendelt?

Es wird leichte Adaptierungen im Fahrplan geben. Waren es bisher bis zu fünf Hin- und Retourfahrten pro Tag, werden es zukünftig bis zu vier sein.

Haben sich die alten Schiffe bereits gerechnet?

Selbstverständlich, sonst würden wir nicht in eine erneute Investition gehen. Und wir würden es auch nicht tun, wenn wir uns nicht sicher wären, dass das neue Produkt nicht mindestens genauso gut ankommt wie das Bestehende. Und da wir mit der Werft auch ein Commitment gefunden haben, was unsere beiden alten Schiffe betrifft, gelingt es uns auch in der Investitionsdarstellung, nicht nur ökologisch ein positives Ergebnis zu erzielen.

Die alten Schiffe werden jeweils um circa 3,2 Millionen Euro verkauft. Das neue kostet sieben Millionen Euro. Ist das wirtschaftlich?

Wenn man die Umsätze der vergangenen zwölf Jahre saldiert - abzüglich Sachaufwendungen, Treibstoff und Abschreibung -, dann sieht man, dass ein deutliches Plus übrig bleibt. Und wir gehen davon aus, dass wir in den kommenden Jahren mit einem ähnlichen Ergebnis rechnen dürfen.

Der bevorstehende Brexit wird sich auf das britische Pfund auswirken - hat man das eigentlich beim Kauf berücksichtigt?

Die Investition wird zu einem gesicherten Fixpreis in Euro abgewickelt, insofern spielt also die Entwicklung am Finanzmarkt keine Rolle.

Die ersten beiden Schiffe kommen aus Norwegen, warum hat man sich nun entschieden, nach London zu wechseln?

Wir haben mehrere Werften angefragt. In diesem Fall hat nach der europaweiten Ausschreibung London das beste Angebot vorgelegt und schließlich auch mit den moderneren, ökologischeren und ökonomischeren Instrumentarien gepunktet.

Ist der Kauf eines weiteren Schiffes geplant?

Das neue Schiff entspricht der momentanen Marktsituation. Über ein weiteres Schiff wird aktuell nicht nachgedacht. Wie sich die Situation in den kommenden drei bis fünf Jahren darstellen wird, wird man aber natürlich genau beobachten.