Wien. Ein Drittel aller Autos in Wien gehört Menschen, die täglich in die Stadt hinein und wieder hinaus pendeln. 350.000 sind es mittlerweile. Und die Zahl steigt. Die Wiener Grünen wollen diesen Trend stoppen. Mehr als zwei Monate vor der Wien-Wahl am 11. Oktober fordern sie gemeinsam mit der niederösterreichischen Schwesterpartei eine Verbesserung des Öffentlichen Verkehrs zwischen Wien und Niederösterreich. Am Donnerstag präsentierten sie einmal mehr ihre Vorstellungen.

So soll die 365-Euro-Jahreskarte auf das Wiener Umland (Außenzone 1) ausgeweitet werden. Die Wiener Linien haben trotz der Verbilligung der Öffi-Karte mehr Geld eingenommen, da sich die Anzahl der Fahrgäste fast verdoppelt hat, bewirbt Rüdiger Maresch, Gemeinderat und Verkehrssprecher der Wiener Grünen, das Prestigeprojekt seiner Partei.

Weiters wollen die Grünen auf den S-Bahn-Strecken ein 15-Minuten-Intervall während der Hauptverkehrszeit einführen. Derzeit gibt es hier Intervalle zwischen 20 und 30 Minuten. Auch der viergleisige Ausbau der Südbahn von Meidling nach Mödling wurde erneut eingefordert.

Vorstellen können sich die Grünen auch Schnellstraßenbahn-Verbindungen à la Badner Bahn. Angedacht sind Verbindungen nach Wolkersdorf, Groß-Enzersdorf und Schwechat.

"Dringenden Handlungsbedarf", ortete Amrita Enzinger, Verkehrssprecherin der niederösterreichischen Grünen. "In Niederösterreich ist man gezwungen mit dem Auto zu fahren", sagt sie. Während 127 Millionen Euro für den öffentlichen Verkehr reserviert sind, seien es rund 500 Millionen Euro für den Straßenbau.

Maresch: "Wer sich zuerst bewegt, der zahlt."

Maresch klagte über die zähen Verhandlungen zwischen Ländern, ÖBB und Bund. "Wer sich zuerst bewegt, der bezahlt", kritisiert er. Dabei müsse man nun schnell handeln. Wien und das Umland wachsen rasant. Selbst beim eigenen Vorschlag musste man nachbessern. Der viergleisige Ausbau soll nicht bis zum Jahr 2025 erfolgen, sondern schon viel früher.

Konkrete Kosten für die Vorschläge konnten die Grünen nicht nennen. Das sei Verhandlungssache. Um gegenüber der ÖBB stärker aufzutreten, sprachen sich Enzinger und Maresch für eine gemeinsame Zusammenarbeit der beiden Landesregierungen Niederösterreich und Wien aus.

Im Büro des niederösterreichischen Verkehrslandesrates Karl Wilfing (ÖVP) zeigt man sich offen gegenüber den Vorschlägen der Grünen. Man sei ebenso für einen viergleisigen Ausbau der Südbahn. Allerdings wolle man zuerst die technischen Möglichkeiten auf der bestehenden Strecke für eine Intervallverdichtung nützen.

Die Südbahn alleine werde aber nicht reichen, um den Pendlerverkehr einzudämmen, sagt eine Sprecherin des Verkehrslandesrates. Deswegen fordert man eine zweite Schnellbahnstammstrecke durch Wien, die neu gebaut werden müsste. Konkrete Pläne sollen dazu noch heuer präsentiert werden.

Kritik äußerte die Sprecherin über die stiefmütterliche Behandlung der Schnellbahn in Wien. Es fehle hier an Durchlässigkeit. "In Umsteigesituationen muss man die S-Bahn suchen. Da fehlt es an Qualität." Die Sprecherin verweist auf München, wo U-Bahn und S-Bahn auf dieselben Fahrzeugmodelle setzen. "Der Fahrgast merkt in München nicht, ob er in einer U-Bahn oder Schnellbahn sitzt." So müsste es auch in Wien sein.

ÖBB: Fokus auf Semmeringbasis- und Koralmtunnel

Zudem seien die alten S-Bahn-Garnituren nicht mehr zeitgemäß. Mit Kinderwagen, Rollstuhl ist man auf fremde Hilfe angewiesen, wenn man die Stufen zum Einstieg nehmen will.

Die Forderung der Grünen, das 365-Euro-Jahresticket auszuweiten, überrascht die Sprecherin. In den zwei Entscheidungsgremien Planungsgemeinschaft Ost und Verkehrsverbund Ost-Region (VOR) gab es bis dato noch keinen Antrag dazu. Ein einheitliches Ticketsystem für die gesamte Region würde aber auch der Verkehrslandesrat befürworten.

Vonseiten der ÖBB könne man sich ebenso einen viergleisigen Ausbau vorstellen. Jedoch nicht vor dem Jahr 2025. Die alten S-Bahn-Garnituren werden bis 2020 schrittweise ausgetauscht.

Gegenüber der vom Landesrat geforderten zweiten Schnellbahnstammstrecke durch Wien zeige man sich gesprächsbereit. "So ein Projekt benötigt aber mindestens 20 Jahre um realisiert zu werden. Es gibt aber mehrere Maßnahmen, die kurzfristig umsetzbar wären und die das Angebot für die Pendler attraktiver machen könnten. Dazu sind wir in Gesprächen mit den Bestellern", sagt ÖBB-Konzernsprecher Michael Braun. Bis 2025 liegt der Fokus der ÖBB auf Semmeringbasis- und Koralmtunnel.

Pendlerströme sollen
vom Auto auf die Öffis
verlagert werden.