Wien. Wohnen wird in Wien 2019 erneut teurer. Die Preise dürften im Schnitt genauso stark zulegen wie schon 2018, heißt es vom Immobiliendienstleister EHL. "Wir haben in Wien einen Bauboom und sehen keine Preisdämpfer im laufenden Jahr", sagte EHL-Chef Michael Ehlmaier am Dienstag vor Journalisten in Wien.

Bereits 2018 kannte die Preiskurve österreichweit fast nur eine Richtung: Es ging mehr oder weniger nach oben, berichtete auch der Immobilienvermittler s Real. In Ballungsräumen zeichne sich eine weitere Verknappung des Angebots an kleinen und mittleren Eigentumswohnungen ab.

In Wien seien leistbare Eigentums-Wohnungen vor allem in den Außenbezirken (21, 22, 23) zu haben. Am Mietmarkt gilt die Nachfrage bis maximal 700 Euro besonders groß. Der Gebrauchtmarkt sei sehr angespannt. Neubauprojekte kämen unter Druck, da die Baukosten seit dem Ankauf des Grundstücks und der Bauplanung stark gestiegen seien.

"Wir gehen für 2019 von einer weiteren Steigerung von 1,5 Prozent bei den Mieten und von bis zu 5 Prozent, vielleicht auch knapp darüber, bei den Kaufpreisen aus", erklärte die Geschäftsführerin der EHL Wohnen GmbH, Sandra Bauernfeind, in Bezug auf Neuvermietungen bzw. Neubauprojekte. Die Mieten wiesen im internationalen Vergleich aber weiter ein "relativ geringes Niveau" auf.

Nachfrage weiterhin hoch

Die Nachfrage nach Wohnungen ist ungebrochen hoch. Der treibende Faktor sei "sicher die Entwicklung der Bevölkerung". "Das Bevölkerungswachstum ist nach wie vor gegeben, schwächt sich allerdings mehr ab als noch vor einigen Jahren gedacht", so die Immobilienexpertin. 2015 hätte es noch etwa 43.000 "zusätzliche Wiener" gegeben, 2018 nur noch 22.000 bis 23.000.

Doch auch die nach wie vor niedrigen Zinsniveaus befeuern die rege Nachfrage nach Wohnungen. Kredite sind zu relativ attraktiven Bedingungen zu bekommen: "Finanzierung ist kein ‚Deal Breaker‘", stellte Bauernfeind fest. Finanzierungen würden von den Banken problemlos vergeben - "15 bis 20 Jahre fix bekommt man unter zwei Prozent", so die EHL-Wohnimmobilien-Chefin unter Verweis auf die Zinskonditionen.

Um der massiven Nachfrage nach Wohnraum gerecht zu werden, wird auch fleißig gebaut: Die Baubewilligungen und Baufertigstellungen bewegten sich laut Bauernfeind derzeit auf einem Rekordniveau, das zuletzt in den Neunzigerjahren zu sehen gewesen sei. Die Bewilligungen hätten sich im Jahresabstand von 7000 bis 9000 auf aktuell knapp 20.000 mehr als verdoppelt, die Fertigstellungen von 4000 bis 6000 auf rund 11.500. Entgegen dem Trend der Vergangenheit seien "deutlich mehr Mietwohnungen geplant als Eigentumswohnungen", vermerkte Ehlmaier.

"Dieser Bauboom ist auch verantwortlich für die entsprechend gestiegenen Baupreise. Diese erhöhten sich im Laufe des vergangenen Jahres laut EHL um 20 bis 30 Prozent. In den Jahren davor hätten sich vor allem die Grundstückspreise empfindlich verteuert. "Wir werden auch 2019 mit steigenden Baupreisen konfrontiert sein - die Auftragsbücher sind voll", so die EHL-Expertin. Laut s Real werden auch Lagen entlang der Bahnen und Autobahnen im Umland von Wien, in Niederösterreich und dem Burgenland, weiter aufgewertet.

Wien als "sicherer Hafen"

Wien wächst laut Bauernfeind vor allem dort, wo Flächenreserven für die Neuproduktion von Wohnraum zur Verfügung stehen - im 22., 11. und 21. Bezirk. Der flächenmäßig größte 10. Bezirk habe durch die U1-Verlängerung nach Oberlaa gewonnen, aber auch der 14. sei "von einer regen Neubautätigkeit geprägt". "Das bestehende Mietrechtsgesetz (MRG) hat dafür gesorgt, dass die internationalen Immobilieninvestoren relativ spät zu uns gekommen sind - sie konzentrieren sich auf Neubauprojekte", berichtete Bauernfeind.

Sie meint, dass ein MRG gefunden werden müsse, dass es dem Eigentümer erlaube, mit seiner Immobilie zumindest kostendeckend wirtschaften zu können. "Das Interesse an Immobilien wird auch 2019 ungebrochen hoch sein - die Investoren lassen sich auch nicht durch ein Mietrechtsgesetz so stark abschrecken wie in der Vergangenheit", vermerkte Ehlmaier. Wien gelte bei Anlegern als "sicherer Hafen".