Wien. Frauenmorde haben das junge Jahr 2019 geprägt. In den ersten zwei Wochen ist es zu vier sogenannten Femiziden gekommen. Am Hauptbahnhof in Wien ist in der Nacht auf Dienstag eine 25-jährige Frau mit einem Küchenmesser erstochen worden. Der Täter - der Bruder des Opfers - wurde gefasst, ÖBB-Mitarbeiter hatten den 21-jährigen spanischen Staatsbürger bis zum Eintreffen der Polizei festgehalten. Zwischen den Geschwistern war es zu einem Streit gekommen, sagte Polizeisprecher Daniel Fürst am Dienstag.

Erst am Wochenende war die Leiche einer 16-Jährigen im Anton-Wodica-Park in Wiener Neustadt gefunden worden. Auch sie war Opfer eines Gewaltverbrechens - ein 19-jähriger Verdächtiger hat die Tat laut Polizei bereits gestanden. Laut Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl hatte der Mann einen aufrechten Asylstatus. Eine Woche davor waren zwei Frauen in Amstetten und Krumbach in Niederösterreich mit zahllosen Messerstichen getötet worden. Unter Tatverdacht stehen ihre Ehemänner.

Dass die Zahl weiblicher Mordopfer in letzter Zeit zunimmt, ist nicht nur ein subjektiver Eindruck, sondern ist auch aus der Kriminalstatistik herauszulesen: Demnach gab es im Jahr 2018 bis inklusive November österreichweit insgesamt 70 Tötungsdelikte - davon 41 gegen Frauen und 29 gegen Männer. Im Jahr davor belief sich das Verhältnis auf 36 zu 26. In Wien waren es 2018 insgesamt 23 Opfer, davon 12 Frauen, 8 Männer und 3 Kinder.

Was die Nationalität der Täter anbelangt, so waren 2018 von 76 insgesamt 35 ausländischer Herkunft. Im Jahr 2017 waren das von 89 Tätern überhaupt nur 13. Wobei der Großteil der Täter 2018 aus Serbien und dem Kosovo stammte. Im Jahr davor kamen die meisten Täter aus Polen und Deutschland (siehe Grafik). Auffallend ist, dass Täter und Opfer beim größten Teil der Fälle in einer familiären Beziehung zueinander standen.

Österreich hat im EU-Vergleich niedrige Mordrate

Ein anderes Bild ergibt sich, wenn man sich die Zahl der angezeigten Morde inklusive Mordversuche ansieht. Denn dann gab es etwa im Jahr 2017 laut Sicherheitsbericht insgesamt 270 Tatverdächtige, wovon 126 Personen ausländischer Herkunft waren und wiederum 62 von diesen Asylwerber. Allerdings werden insgesamt relevante Variablen wie Alter, sozioökonomischer Status, Bildungsstand usw. nicht in der Statistik berücksichtigt, was konkrete Schlussfolgerungen schwierig macht.

Die EU verwendet bei ihren Berechnungen wiederum standardisierte Sterbeziffern, da die Todesursache je nach Alter und Geschlecht stark variiert. Damit will Eurostat die Vergleichbarkeit zwischen verschiedenen Ländern besser darstellen. Am schlechtesten schneidet hier Lettland ab, Österreich zählt zu den EU-Ländern mit der niedrigsten Mordraten. Am besten schneidet bei Eurostat Großbritannien ab, hatte allerdings im Jahr 2015 knapp 600 Morde zu verzeichnend bei einer Bevölkerung von 66 Millionen Einwohnern. Allerdings werden in Österreich im Gegensatz zum Gros der anderen EU-Länder mehr Frauen als Männer getötet.

Strafen bei Mord dürften erhöht werden

Bis Jahresmitte will die Taskforce "Strafrecht" des Innenministeriums ein beschlussfähiges Maßnahmenpaket vorlegen. Das Strafrecht soll bei Delikten gegen Leib und Leben sowie gegen die sexuelle Integrität verschärft werden. Auch Vorschläge zur Verbesserung von Opferschutz und Täterarbeit sollen enthalten sein.

Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) hat nun seine Forderung nach einer flächendeckenden Waffenverbotszone für Wien bekräftigt. Er will demnach eine entsprechende Änderung des Sicherheitspolizeigesetzes (SPG), um dies zu ermöglichen. Den Vorschlag der Landespolizeidirektion, einzelne Zonen einzuführen, lehnt er ab. Laut Verfassungsjuristen ist ein flächendeckendes Verbot allerdings schwierig umzusetzen, weil bereits bloß eine Zone nur dann zur Waffenverbotszone erklärt werden könne, wenn es sich um eine unsichere Gegend handle - die "Wiener Zeitung" hat berichtet. Abgesehen davon wäre eine flächendeckende Waffenverbotszone nicht exekutierbar: Polizisten dürfen in der Zone Menschen und Fahrzeuge durchsuchen, wenn konkrete Verdachtsmomente bestehen - ein Verstoß kann mit bis zu 500 Euro bestraft werden. Das auf die ganze Stadt auszuweiten, wäre unmöglich.