Wien. (rös) In der nach dem Unfalltod eines Neunjährigen in Wien ausgelösten Debatte über Lkw-Abbiegeassistenten hat der ÖAMTC am Donnerstag ein Kamerasystem demonstriert und bezog Stellung zum Thema verpflichtende Umrüstung:

Während die Wirtschaftskammer auf die rasche Umsetzung einer solchen Nachrüstung und eine damit verbundene Förderung für Transportunternehmen pocht, sprach sich der Autofahrerclub gegen eine solche Pflicht aus: Man unterstütze zwar die von Eltern gestartete Petition, für eine Nachrüst-Pflicht - sie wurde bereits von mehr als 53.000 Personen unterzeichnet -, wolle aber vielmehr auf Sensibilisierung aller Verkehrsteilnehmer und Weiterbildung von Lkw-Lenkern setzen, wie Direktor Oliver Schmerold erklärte. Abgesehen davon halte er nicht viel von einem Alleingang Österreichs. Es brauche vielmehr eine rasche Regelung auf EU-Ebene: Abbiegesysteme müssten zunächst technisch spezifiziert und dann über die Typengenehmigung vorgeschrieben werden, so Schmerold weiter. Am Nachmittag kam dann eine Klarstellung: "Der ÖAMTC unterstützt die Forderung nach verpflichtenden Lkw-Abbiegeassistenten zum frühestmöglichen Zeitpunkt - auch auf nationaler Ebene".

Für 80 Prozent Förderung

Für Davor Sertic, Obmann der Sparte Transport und Verkehr in der Wiener Wirtschaftskammer, sind Nachrüstung und Förderung auf jeden Fall eine Notwendigkeit. Auch wenn hierzulande viele ausländische Frächter unterwegs seien, könnten die heimischen mit gutem Beispiel vorangehen, bis es eine EU-weite Regelung gibt. Ohne Förderung sei das aber nicht möglich. "Ich bin ja selber Spediteur und kann Ihnen versichern, dass kaum jemand in der Branche diese Investition allein stemmen könnte", meinte Sertic. Ein Minimum sei für ihn das, was in Deutschland gefördert wird: 80 Prozent der Umbaukosten, gedeckelt bei 1500 Euro.

Die Finanzierung soll am Dienstag bei einem von Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) einberufenen Lkw-Sicherheitsgipfel diskutiert werden.