1907 wurde er geboren und erlebte damit noch den Ersten Weltkrieg mit. Nach Abschluss der Bürgerschule lernte er das Tischlerhandwerk. Schon in seiner Jugend war er als Sozialdemokrat politisch aktiv. Sein Engagement verstärkte sich noch, als er 1928 Feuerwehrmann wurde.

1934 wurde er im Zuge des Bürgerkriegs wegen seiner Gesinnung verhaftet und musste den Dienst quittieren, bekam seinen Job aber nach einer Klage auf Wiederanstellung zurück. 1939 wurde er als Mitglied einer verbotenen Partei von der Gestapo verhaftet und saß ein Jahr als Volksgerichtshäftling ein.

Russen ausgetrickst

Nach dem Krieg, den er als Feuerwehrmann in Polen überstand, wurde er zunächst Feuerwehrchef und Branddirektor in Wien. Am 7. September 1947 wurde von der Bundesregierung beschlossen, ihn zum Polizeipräsidenten zu machen. Schon in der Besatzungszeit begründete Holaubek seinen legendären Ruf. Ein Beispiel: Ein Kriminalbeamter war von den Sowjets festgenommen und auf die Kommandantura geschleppt worden. Der Polizist sah sich schon in Sibirien. Holaubek und dessen Staatspolizeichef Oswald Peterlunger paukten ihn durch einen bühnenreifen Auftritt heraus. Was er sich denn erfreche, die hohen Herren Besatzer so zu vergrämen, brüllte Holaubek in breitestem Wienerisch den Kriminalbeamten an. Noch ehe dieser eine Antwort stammeln konnte, legte Peterlunger ein Schäuferl nach. Die Russen wussten nicht, wie ihnen geschah, als der Polizeipräsident seinen Untergebenen lautstark des Raumes verwies. "VerschwindenS, aber sofort!" Der Kriminalbeamte lief davon, geradewegs in den benachbarten amerikanischen Sektor. Dort war er sicher. Der sowjetische Kommandant grinste: "Diesmal chaben Sie gewonnen, Cherrr Prrräsident . . ."

KP-Putsch verhindert

Gelegentlich von Partei- und anderen Freunden gefragt, ob er denn nicht Angst habe, selbst "verschickt" zu werden, pflegte "Joschi" kühl zu sagen: "Ja, warum denn? Die Kummerln wissen doch ganz genau, dass i in der Dollfuß- und Schuschnigg-Zeit a aufrechter Roter gwesen bin." Gemeinsam mit dem späteren Innenminister und damaligen Gewerkschaftsführer Franz Olah - durchaus kein intimer Freund "Joschis" - hatte Holaubek entscheidenden Anteil an der Niederschlagung des kommunistischen Putschversuchs 1950. Und als im Herbst 1955 der letzte Sowjet-Soldat österreichischen Boden verließ, rieb "Joschi" sich die Hände. "Alsdann, des hätt ma aa."

Die berühmteste Anekdote über Holaubek ist wohl seine spektakuläre Aktion im Zuge der Verfolgung dreier aus der Strafanstalt Stein entwichener Schwerverbrecher im Jahr 1971. Nach zweitägiger Jagd mit mehrfacher Geiselnahme kam es vor einem Siedlungshaus in der Donaustadt zum Showdown. Einer der Ausbrecher, Walter Schubirsch, sah die Aussichtslosigkeit seiner Lage ein und taumelte mit erhobenen Händen ins Freie.

Der Präsident für die Stein-Ausbrecher

Holaubek, sich der Anwesenheit zahlreicher Fotografen bewusst, fasste Schubirsch am Arm und führte den Verhafteten, an unablässig klickenden Kameraverschlüssen vorbei, mit den väterlichen Worten zum Arrestantenwagen: "Kumm, Walter, gemma, i bins, dei Präsident." Dem war auch wirklich so: Holaubek kümmerte sich nämlich um Schubirsch während der Haft, unterstützte ihn finanziell nach der vorzeitigen Entlassung und verschaffte ihm Arbeit in einem Kloster. Schubirsch ist der einzige der drei Stein-Ausbrecher, der in ein geregeltes Leben zurückgefunden hat.

Am 10. Februar 1999 starb Josef Holaubek im 93. Lebensjahr. Eineinhalb Jahre später benannte Bürgermeister Michael Häupl (S) den Platz vor dem Bundesamtsgebäude in der Nähe des Liechtenwerder Platzes, in dem sich heute unter anderem das Bundeskriminalamt befindet, in Josef-Holaubek-Platz um.