Wien. Ein kalter Wind zieht über die steinernen Gräber, der Himmel ist grau an diesem Mittwochvormittag am Grinzinger Friedhof. Die Gruppe schleicht der Fremdenführerin Gabi Saeidi zum nächsten Grab nach. "Den Mann, der hier liegt, kennen Sie sicher alle. Er war in zahlreichen Filmen, wie beispielsweise dem weißen Rössel, aber auch in Fernsehshows zu sehen, außerdem sang er unter anderem mit Johnny Cash. Was viele nicht wissen, er hat sogar ein Mal den Jedermann gespielt. Genau, die Rede ist von Peter Alexander", erzählt sie.

Doch nicht nur Alexanders Grab, auch viele andere Ruhestätten Prominenter gibt es bei den neuen Führungen der Friedhöfe Wien und GabiTours zu sehen. Die Führungen sind nach dem bekannten Wienerlied "Es wird a Wein sein und wir wer’n nimmer sein" benannt. Drei Friedhöfe des 19. Bezirk werden besucht, dazu gibt es für die Teilnehmer ein Glaserl Wein. Denn wie Saeidi sagt: "Tod und Wein, das sind zwei wichtige Elemente der Wiener Seele, die wir mit dieser Tour verbinden wollen."

Leere Gräber und Hämorrhoiden

Nach einer kurzen Einführung über das Leben von Publikumsliebling Alexander geht es auch schon weiter zum nächsten ehrenhalber gewidmeten Grab, denn die Dichte der hier bestatteten Prominenten ist hoch. Sie reicht von Helmut Lohner über Hans Dichand, Gustav Mahler, bis zu Attila Hörbiger.

Die Führungen, die am 13. und 27. April stattfinden, starten beim Döblinger Friedhof, mit dem Bus geht es weiter zum Heiligenstädter Friedhof und Grinzinger Friedhof. Mitten im Grünen, zwischen zwitschernden Vögeln und den Weinbergen, hören die Besucher Geschichten über die Friedhöfe und dort bestatteten Personen.

So erfährt man am Döblinger Friedhof etwa, warum das Grab von Theodor Herzl leer ist oder dass am Grinzinger Friedhof drei Jedermänner begraben liegen. Gustav Mahler der hier ebenfalls liegt, hat eine spannende Vergangenheit, wie Gabi Saeidi weiß: "Der Komponist und Dirigent war gesundheitlich sehr angeschlagen, litt an immer wiederkehrenden Hämorrhoiden und Mandelentzündungen, die letztlich zu einer bakteriellen Herzerkrankung führten, an der er später auch starb. Außerdem war er Patient Sigmund Freuds, der bei ihm im Zuge einer Eheberatung einen Mutterkomplex feststellte."

"Friedhöfe sind auch für die Lebenden da"

Es ist eine von vielen Informationen, welche die staatlich geprüfte Fremdenführerin im Zuge der dreistündigen Tour den Besuchern näherbringt. Was nach so vielen Geschichten natürlich auch nicht fehlen darf, ist die Stärkung. Die bekommen die Teilnehmer im Zuge der Weinverkostung zwischendurch direkt am Friedhof. Aber darf man das denn überhaupt am Friedhof?

Gabi Saedi erklärt, dass Friedhöfe auch Orte der Begegnungen sein können. Früher habe man auf dem Friedhof etwa Handel betrieben, Geschäfte abgeschlossen und Feste gefeiert. Abschließend zeigt die Fremdenführerin auf: "Erinnerungen können, so wie es bei uns auch früher üblich war und in vielen Kulturen noch praktiziert wird, mit positiven Erlebnissen verknüpft werden. Wir wollen mit dieser Führung die Erinnerungskultur spürbar und fühlbar machen, denn Friedhöfe sind nicht nur für die Toten da, sondern auch für die Lebenden."