Gängig sei die Behandlung mit einer Salbe mit dem Wirkstoff Permethrin, sagt Neuhofer. Diese sollte - am besten am Abend nach der Dusche - auf den gesamten Körper vom Hals abwärts aufgetragen werden und zwölf Stunden lang einwirken. Die Salbe tötet sowohl die lebenden Tiere als auch die Eier ab.

Neuer auf dem Markt ist laut Neuhofer eine Therapie in Tablettenform. Bei den Tabletten mit dem Wirkstoff Ivermectrin genüge eine Dosis, um 95 Prozent der Tiere und Eier auf dem Körper zu töten, sagt er. Diese Therapieform sei angesichts der aktuellen Ausbreitung der Krätze vielversprechend. Grundsätzlich würden einige Dermatologen empfehlen, die Therapien nach etwa einer Woche zu wiederholen. Der Juckreiz könne allerdings noch zwei bis drei Wochen lang andauern, weil sich die (toten) Eier ja nach wie vor in der Haut befinden.

Salben-Lieferengpässe in Tulln

Sowohl Salbe als auch Tabletten sind rezeptpflichtig. Vor allem bei der Salbenbehandlung benötigt man große Mengen. Einzelne Apotheken wie zum Beispiel "Zur goldenen Krone" und "St. Florian" in Tulln hatten bereits vor mehreren Wochen über Lieferengpässe der Salbe geklagt. Aufgrund der enormen Nachfrage sei sie nahezu ausverkauft, hieß es damals. Im Moment gebe es diesbezüglich aber "überhaupt keine Probleme", sagt dazu Ort von der Apothekerkammer. Falls eine Apotheke nichts mehr auf Lager haben sollte, könne sofort geliefert werden. "Wiener Apotheken werden im Durchschnitt viermal am Tag angeliefert", sagt Ort. Und sollte es tatsächlich zu einem Lieferengpass kommen, gäbe es noch immer die Möglichkeit, dass man in der Apotheke selbst eine Salbe mit dem Wirkstoff für die Patienten anfertigt.

Medikamente, die vorbeugend gegen Krätze wirken, gibt es nicht. Maßnahmen könne man aber sehr wohl treffen, sagt Neuhofer. "Man sollte auf Hygiene achten und beim Körperkontakt vorsichtig sein", sagt er. Händeschütteln sei unbedenklich, bei intimen Berührungen und Sexualkontakt könne die Krätze aber sehr wohl übertragen werden. Hat ein Schulkind sichtbare Symptome, sollte es bis zur Abklärung durch den Hautarzt und - falls nötig - zur Behandlung zuhause bleiben. In Deutschland ist die Situation anders: Hier ist den Kindern bei Verdacht auf Krätze der Besuch der Schule oder einer anderen Gemeinschaftseinrichtung wie des Hortes laut Infektionsschutzgesetz verboten.

FPÖ NÖ fordert Meldepflicht

In Niederösterreich hat die Krätze bereits die politische Ebene erreicht: Martin Huber, Klubobmann der Freiheitlichen Niederösterreichs, forderte diese Woche eine Meldepflicht und "rasche Maßnahmen zur Eindämmung" vonseiten des Landes. Es brauche einen Notfallplan, so Huber.

Dermatologe Neuhofer hält eine Meldepflicht allerdings nicht für notwendig. Vonseiten des Gesundheitsministeriums gibt es ebenfalls keine Bestrebungen in diese Richtung. Meldepflichtig ist die Krätze auch in Deutschland nicht.