Wien. "ochtadreiska, zwarasechzka, anasibzka - Wien entdecken mit der Bim": Unter diesem, von einem Gedicht von H.C. Artmann inspirierten Titel war das neue Buch von Beppo Beyerl und Thomas Hofmann im Verlagsprospekt angekündigt. Jetzt steht nur noch der zweite Teil davon auf dem Cover. Offenbar bestand die Sorge, dass die vorangestellte wienerische Bezeichnung von Straßenbahnlinien auf Touristen, eine Hauptzielgruppe, unverständlich oder sogar abschreckend wirken könnte.

"Wien entdecken mit der Bim" ist natürlich nicht nur für Touristen, sondern auch für Wiener, die ihre Stadt näher kennenlernen wollen, eine interessante Angelegenheit. Wussten Sie, dass Wien mit einer Gesamtlänge von 172 Kilometern das sechstgrößte Straßenbahnnetz der Welt hat? Dass es 1053 Haltestellen und 89.000 verfügbare Plätze gibt und Tag für Tag im Netz gleichzeitig 400 Straßenbahnen unterwegs sind? Dass die seit 1897 elektrifizierte Linie 5 als älteste Straßenbahnlinie anzusehen ist und seit damals bis auf kleine Änderungen auf ein- und derselben Strecke verkehrt?

Linie 217/317 in Hirschstetten im Jahr 1931. - © Wiener Linien
Linie 217/317 in Hirschstetten im Jahr 1931. - © Wiener Linien

Der städtische Schienenverkehr begann schon am 4. Oktober 1865, als die erste Pferdebahn vom Schottenring über die Alser Straße nach Dornbach hinausfuhr, also auf der Trasse des heutigen 43ers. Es folgten Dampftramways, etwa von Hietzing nach Perchtoldsdorf oder von der heutigen Augartenbrücke über Floridsdorf bis nach Stammersdorf.

Der Betrieb dieser Linien lag noch in der Hand verschiedener privater Gesellschaften. Bürgermeister Karl Lueger gründete im Jahr 1902 die kommunalen "Gemeinde Wien - Städtische Straßenbahnen", die bald das gemeinsame Dach für alle Wiener Straßenbahnen wurden.

Die Linie O bei der Kreuzung Fasangasse-Rennweg um 1930. - © Wiener Linien
Die Linie O bei der Kreuzung Fasangasse-Rennweg um 1930. - © Wiener Linien

Gemeinde erweiterte Netz

"Die Bim was born", schreiben Beyerl und Hofmann und erklären auch, woher diese populäre Bezeichnung für dieses umweltfreundliche Verkehrsmittel kommt: vom Bimton oder den Bimmeltönen, "die der Fahrer bei Gefahr einer Kollision mit dem Pedal auslöste. Diese Fußglocke diente als akustisches Warnsignal und musste übrigens auch immer zum Zeitpunkt der Abfahrt der Wagen betätigt werden."

- © Wiener Linien
© Wiener Linien

Die Gemeinde Wien erweiterte ständig das Netz, führte 1907 rotumrandete Schilder für die Haltestellen ein und entwickelte auch ein bis heute gültiges System der Linienbezeichnungen. Für die Radiallinien, die vom Zentrum, meist vom Ring, in die Peripherie hinausführen, wurden die Zahlen ab 21 reserviert - manche wurden nie vergeben (etwa 23, 76, 83), andere sind bedeutungslos geworden, weil die Linie (zum Beispiel erst 2017 der 58er) eingestellt wurde.