"Durch Fairdoor werden Menschen vertreten, die meist weder von ihren rechtlichen Möglichkeiten wissen, noch den finanziellen Rahmen für einen solchen Prozess haben", sagt Paul Kessler, ein mit dem Verein kooperierender Anwalt. "Ich will das Recht für die Menschen geltend machen. Rassismus ist zu bekämpfen, persönlich wie juristisch. Und dazu haben wir die Mittel", sagt Kessler und meint damit Paragraph 31 des Gleichbehandlungsgesetzes, der vorsieht, dass niemand auf Grund des Geschlechts oder der ethnischen Zugehörigkeit beim Zugang von Dienstleistungen, die der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen, diskriminiert werden darf. "Und diese öffentlichen Dienstleistungen betreffen eben auch Nachtlokale, Clubs und Diskotheken", erklärt Kessler.

"Wegen meines Aussehens nicht hineingelassen"

Der 22-jährige Rami K. und sein drei Jahre älterer Bruder Amin sind 2015 aus Syrien nach Österreich gekommen. Sie haben eine Wohnung, arbeiten bei österreichischen Unternehmen und gehen abends auch mal gerne aus. So auch in jener Nacht vergangenen Sommer, als beide mit zwei österreichischen Freunden ein Lokal am Gürtel besuchen wollten. Für Euch am Freitag und Samstag nicht, hieß es vom Türsteher ohne weitere Angabe von Gründen. Ihre beiden Freunde konnten das Lokal problemlos betreten.

"Es schmerzt, wegen meines Aussehens nicht hineingelassen zu werden. Meine Sprache und mein Verhalten kann ich ändern, aber mein Aussehen nicht. Und das sollte auch keine Rolle spielen", sagt Rami K. "Abends auszugehen bedeutet, der Realität für einen Moment zu entkommen, aber mit einer solchen Erfahrung trifft sie dich noch härter als vorher. Gemeinsam Spaß zu haben bedeutet auch Teil einer Gesellschaft zu sein."

Über einen Freund haben die Brüder von Fairdoor erfahren, die ihren Fall schließlich übernommen haben. "Diskriminierung ist ein strukturelles Problem", sagt Nermin Kotlo. Er macht den politischen Diskurs dafür mit verantwortlich. Wenn Menschen mit Migrationshintergrund permanent unter einer Bringschuld stünden, dann wirke sich das auch gesamtgesellschaftlich aus.

Es geht auch um Machtverhältnisse

"Das Klima insgesamt hat sich verändert", so Kotlo. Als er 1993 mit Nachbar in Not aus Bosnien nach Österreich kam, hatte es eine Willkommenskultur gegeben, die es heute nicht mehr so gibt, erinnert er sich an seine Kindheit in Wien. "Wenn jemand von einer wirtschaftlich höher gestellten Person diskriminiert wird, dann geht es um Machtverhältnisse", sagt Nermin Kotlo. Er spricht aus persönlicher Erfahrung, denn auch er hat Diskriminierungen erlebt.

Beschämend sei das, wenn die gesamte Freundesgruppe wegen einer Person, also einem selbst, das Lokal wechseln müsse. Deshalb, aber auch in gesellschaftlicher Hinsicht wolle Fairdoor etwas verändern. "Uns geht es um ein generelles Umdenken. Wenn es rechtliche Konsequenzen gibt, wird in Zukunft vielleicht zweimal überlegt, einzelne Personen unter Generalverdacht zu stellen", sagt Kotlo.

Und was erwarten sich Rami K. und sein Bruder Amin K. von Fairdoor? "Mehr Akzeptanz. Ich möchte mich hier zu Hause fühlen können", sagt Rami - und hofft, dass er Recht bekommt.