Die Folgen waren mitunter grotesk. Vereine konnten die Turnhalle in der Schule am Kinkplatz in Penzing zwar für Trainings nutzen. Bei Regen aber stand dann ein Kübel mitten auf dem Spielfeld im Weg, weil das Dach nicht mehr dicht war. Nicht einmal 25 Jahre nach der Errichtung im Jahr 1994 in Form einer Libelle wurde das Schulgebäude, das wegen seiner Glaskonstruktion für Aufsehen sorgte, zum Sanierungsfall. Jetzt hat die Stadt Wien einen Schlussstrich gezogen: Als Schule wird der Glaspalast am Kinkplatz, soviel steht nach einer Entscheidung von Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ) fest, nicht mehr genützt. Allerdings stellt sich jetzt die Frage, für welchen Zweck der Problembau noch brauchbar ist.

Der negative Nebeneffekt dieser Entscheidung ist, dass damit künftig auch Sportvereinen die Turnhalle nicht als Trainingsmöglichkeit zur Verfügung stehen wird. Dabei suchen gerade Ballsportvereine wie Volleyball, Handball oder Basketball in der Bundeshauptstadt nach jedem Quadratmeter Hallenfläche wie Autofahrer sonst nach einem Parkplatz in der Innenstadt. Das betrifft vor allem auch die Trainingseinheiten, aber auch für Meisterschaftsspiele.

Das Objekt am Kinkplatz ist ein Musterbeispiel dafür, wie groß die Kluft zwischen moderner Architektonik und Funktionalität im Alltag sein kann. Das von Architekt Helmut Richter entworfene Schulgebäude hat zwar sogar eine architektonische Auszeichnung eingeheimst. Für Schüler und Lehrer war ihr "Arbeitsplatz" aber beinahe eine Qual, vor allem im Sommer wegen der hohen Temperaturen. Der Kampf mit Wassereintritten in der mit viel Glas und Stahl ausgestatteten Konstruktion wurde zur Nervenprobe, auch für den Bezirk, der für die Erhaltung des Gebäudes zuständig war. Die Konsequenz war, dass bereits seit etwa zwei Jahren nicht mehr am Dauersanierungsfall Kinkplatz, sondern in einem Ausweichquartier in der Toricelligasse unterrichtet worden ist.

Eine Lehrerversammlung in der Schule am Kinkplatz. Das Gebäude ist als Schule nicht mehr nutzbar. - © APA
Eine Lehrerversammlung in der Schule am Kinkplatz. Das Gebäude ist als Schule nicht mehr nutzbar. - © APA

Sanierung hätte 55 Millionen Euro gekostet

Nun hat der Bildungsstadtrat wegen der hohen Kosten endgültig das Ende der Schule am Kinkplatz verfügt. Eine neue Untersuchung hat ergeben, dass eine Generalsanierung immerhin 55 Millionen Euro gekostet hätte. Diese teure Sanierung habe er als zuständiger Stadtrat "nicht verantworten" können, argumentiert Czernohorszky und führt das als Grund an, warum der Glaspalast nicht mehr als Schule genützt wird. Der Bedarf an Unterrichtsplätzen für Schüler soll in anderer Form gewährleistet werden: Es gibt eine Schulerweiterung in der Linzerstraße, außerdem steht das neue Bildungscampus West zur Verfügung. Darüber hinaus soll zusätzlich in einiger Zeit die derzeitige Berufsschule in der Goldschlaggasse als Mittelschule zur Verfügung gestellt werden, um dem Schulandrang gerecht zu werden.

Stadtrat sieht auch "baukulturelle Verantwortung"
Statt einer teuren Generalsanierung baut die Stadt Wien im wahrsten Sinne des Wortes lieber woanders und setzt dabei auf ein neues Konzept. Bis 2023 sollen demnach an 14 Standorten weitere moderne Ausbildungsstätten in Form eines Bildungscampus entstehen. Dort werden Kindergarten, Volksschule und Mittelschulen eng verknüpft errichtet. Die SPÖ verfolgt damit zugleich ihre schulpolitische Linie in Richtung Gesamtschule, den Kindern soll der Übertritt in gleich daneben liegende Mittelschulen statt einer Übersiedlung ins Gymnasium schmackhaft gemacht werden. Der Schwerpunkt liegt dabei in den Gebieten Wiens, in denen derzeit die Stadtentwicklungsgebiete mit vielen neuen Wohnungen liegen, vor allem in der Donaustadt und in Floridsdorf.

Suche nach Nachnutzungsmöglichkeiten

Allerdings ist damit für die Stadt Wien das Problem mit dem leerstehenden Glaspalast am Kinkplatz nach dem endgültigen Ende der Schule noch keineswegs aus der Welt. Die Stadt sucht jetzt einmal als Eigentümerin des Hauses Nachnutzungsmöglichkeiten, was allerdings bei einem Objekt, das mit Wassereintritten kämpft, ebenfalls nicht so einfach wird. Die – mit einer Auszeichnung prämiierte – Glas-Stahl-Konstruktion soll nicht völlig abgerissen werden. Man trage eine "baukulturelle Verantwortung", versicherte der Bildungsstadtrat. Darauf will er auch bei der Nachnutzung Wert legen.

In der Bezirksvorstehung Penzing gibt man sich nach der Festlegung im Rathaus vorerst zurückhaltend. "Wir warten auf die Vorschläge, die da kommen", erklärte Robert Pschirer, der Stellvertreter der im Urlaub befindlichen Bezirksvorsteherin Andrea Kalchbrenner der "Wiener Zeitung". Man müsse auch schon, ob das Gebäude überhaupt erhalten bleibe. Eine Möglichkeit wäre die Einrichtung neuer Wohnungen.