Sie gelten als Klimakiller, überdimensioniert und gemeingefährlich: SUVs (Sport Utility Vehicles) sind gerade in Großstädten für viele zum Hassobjekt geworden. In Berlin kam es vergangene Woche zu einem folgenschweren Unfall mit einer dieser Geländelimousinen. Vier Menschen - darunter ein dreijähriger Bub - ließen dabei ihr Leben. Seither diskutiert Deutschland über ein mögliches Verbot von SUVs in Großstädten. Mahnwachen wurden auf der einen Seite abgehalten und vor der Internationalen Autoausstellung in Frankfurt für eine "Verkehrswende" demonstriert. Auf der anderen Seite wird beschwichtigt: Letztlich hängen schwere Unfälle vom Fahrer ab und von der gefahrenen Geschwindigkeit. In der Wiener Politik ist ein SUV-Verbot hingegen kein Thema.

"Ich möchte diesen schrecklichen Unfall nicht parteipolitisch instrumentalisieren", sagte die Wiener Vizebürgermeisterin und Verkehrsstadträtin Birgit Hebein (Grüne) auf Anfrage der "Wiener Zeitung". Weiter wollte sie sich nicht zum Thema SUV-Verbot in Wien äußern. "Ein Unfall ist immer tragisch. Dennoch wäre es Polemik, eine solche Tragödie an einem Kfz-Typ festzumachen", hieß es wiederum aus der ÖVP.

Höhere Motorhaube ist gefährlicher für Fußgänger

Dabei sind sich die Experten grundsätzlich einig über die erhöhte Gefahr, die von den SUVs ausgeht. "In unseren Crashtests zeigt sich, dass die SUVs beim Thema Fußgängerschutz tatsächlich nicht gut gepunktet haben", sagt Steffen Kerbl, Leiter der Testabteilung des ÖAMTC. Das liege schon an der Natur der SUVs. "Es ist schwieriger, ein hohes Auto so zu gestalten, dass es bei einer Kollision einen schwächeren Verkehrsteilnehmer nicht lebensgefährlich verletzt."

Problematisch ist, dass die SUVs bei einem Unfall dem Opfer weniger Chancen lassen. "Wenn man einen Fußgänger mit so einem Auto trifft, wird der an einer höheren Körperregion getroffen." Besonders problematisch ist dabei, dass der Körper nicht mehr über die Motorhaube abrollen kann. Auch Greenpeace verweist auf die erhöhte Gefahr, die von SUVs ausgeht: "Bei Fußgängern steigt das Risiko eines tödlichen Unfalls aufgrund der höheren Motorhaube um die Hälfte an." Kinder seien dabei besonders gefährdet. Im Greenpeace-Report 2019 ist zu lesen, dass die hohe Front und die oft kürzere Motorhaube wie eine Mauer wirken. "Deshalb stürzen Fußgänger, die von einem SUV oder Geländewagen angefahren werden, gefährlicher, weil sie häufiger weggestoßen werden." Als Quelle nennt Greenpeace eine amerikanische Studie über die Gefährlichkeit von SUVs für Fußgänger.