1985 in Köln geboren, mittlerweile in Wien heimisch: Pastorin Mira Ungewitter. - © privat
1985 in Köln geboren, mittlerweile in Wien heimisch: Pastorin Mira Ungewitter. - © privat

Erst im Jahr 2013 wurden die ersten Freikirchen in Österreich offiziell anerkannt. Dazu gehören die Baptisten, die ihre erste Gemeinde 1869 in Wien gegründet haben. Das 150-Jahr-Jubiläum wird mit einem Festgottesdienst diesen Sonntag um 13 Uhr in der Gustav-Adolf-Kirche am Lutherplatz gefeiert. 

Heute leben in Österreich rund 1500 getaufte Baptisten in zwei Dutzend Gemeinden. Eine davon ist gerade erst großjährig geworden: die "projekt:gemeinde" im 2. Bezirk (Engerthstraße 141), die vor 18 Jahren gegründet wurde. Ihre aktuelle Pastorin Mira Ungewitter (34), eine gebürtige Kölnerin, war damals selbst noch ein Teenager. Von Beginn an lag ein Schwerpunkt der "projekt:gemeinde" auf Flüchtlings-, Integrations- und Sozialarbeit, heute bieten Ungewitter und ihr Leitungsteam auch Sprach- und Wertekurse an. Inzwischen umfasst der Einzugskreis gut 300 Personen, schätzt die Pastorin, wobei es einen deutsch-, einen spanisch- und einen farsi-sprachigen Teil gibt, die einmal im Monat einen gemeinsamen Abendmahlgottesdienst halten.

Die Pastorin beim Predigen im Donauhof. - © privat
Die Pastorin beim Predigen im Donauhof. - © privat

Die meisten ihrer Gemeindemitglieder sind Anfang zwanzig bis Anfang vierzig, wobei die Generation, die vor achtzehn Jahren die Projektgemeinde gegründet hat, natürlich auch älter geworden ist und Familien gegründet hat. "Da sind jetzt auf einmal dreißig Kinder zwischen null und fünfzehn Jahren da, und wir müssen ganz neue Strukturen für sie schaffen, die vorher nicht nachgefragt wurden von den Studenten. Das ist auch eine Herausforderung."

So wie die meisten Freikirchen finanziert sich die "projekt:gemeinde" durch Beiträge, Spenden (auch von Partnergemeinden im US-Staat Virginia) und Kollekten. "Jeder kann geben, was er möchte. Ich weiß als Pastorin gar nicht, wer was gibt." Sie glaubt, dass durch die bewusste Entscheidung, sich einer Baptistengemeinde anzuschließen, die Identifikation größer ist und damit die Bereitschaft, einen finanziellen Beitrag zu leisten. "Wir sind sehr progressiv und haben viele Leute bei uns, die eigentlich auf Kirche, auch auf Freikirche, keinen Bock mehr hatten, aber dann doch bei uns gelandet sind." Wobei Ungewitter betont: "Wir wollen nicht missionieren oder jemandem unser Glaubenskonzept überstülpen, sondern halten uns an Augustinus: ‚Lebe so, dass man dich nach deinem Glauben fragt.‘"

Fernstehende ansprechen möchte die Pastorin, die in ihrer Freizeit mit Freunden eine Pop-up-Bar betreibt oder mit ihrem VW Bulli unterwegs ist, auch mit ihrem Buch "Roadtrip mit Gott", einer Art autobiografischem Glaubenszeugnis: "Es würde mich freuen, wenn Menschen, die schlechte Erfahrungen mit dem Glauben gemacht haben oder mit gewissen kirchlichen Strukturen, die sich Glauben wünschen, aber mit Kirche nicht so gut können, darin etwas für sich finden." Sie hofft jedenfalls, dass ihrem Buch "eine 16-Jährige genauso etwas abgewinnen kann wie ein Familienvater oder eine 80-Jährige".