Die Weltmeere sind überfischt, das ist kein Geheimnis mehr. Doch was tun dagegen? Die Stadt Wien will nun ihren Beitrag leisten, indem sie einen Kriterienkatalog zum Thema "nachhaltiger Fischfang" erstellen lässt. Damit soll den Bürgern beim Einkauf - nebst dem bekannten MSC-Gütesiegel - eine Orientierungshilfe bei nachhaltigem Fischkauf geboten werden. Grund dafür ist die wachsende Kritik an der Glaubwürdigkeit und somit "Echtheit" des Fisch-Gütesiegels.

Zur Erklärung: Das Marine Stewardship Council (MSC) existiert seit 20 Jahren und dessen Gütesiegel soll, wie das AMA- oder Fairtrade-Siegel, die Nachhaltigkeit eines Produkts zertifizieren. Es wurde 1997 von der Umweltorganisation World Wide Fund for Nature (WWF) und dem Lebensmittelkonzert Unilever gegründet, angesichts der Überfischung.

Dafür muss drei Prinzipien genügt werden: Zum einen soll der Schutz der Fischbestände gewährleistet sein. Des Weiteren werden minimale Auswirkungen auf die Lebensräume und Ökosysteme im Meer versprochen. Und als dritter Punkt wird ein verantwortungsvolles und effektives Management garantiert.

Kritik von Greenpeace

Die Umweltschutzorganisation WWF sieht das Label als derzeit bestes verfügbares Meeres-Wildfisch-Siegel am Markt. Für die NGO sind es die 90 Prozent nicht-zertifizierten Fischereien, die den Raubbau an den Meeren verschulden. Greenpeace hingegen kritisiert die Öko-Kennzeichnung scharf: Die Standards des MSC seien zu schwach und außerdem würden bereits Aktionspläne für die Zukunft genügen, keine bereits wirksamen Maßnahmen, um Fischprodukte unter das Siegel setzen zu dürfen. Daher sei das Gütezeichen nicht vertrauenswürdig. Meeresexperte Axel Hein vom WWF sagt dazu: "Es gibt sicher Verbesserungspotenzial, aber ein MSC-Zertifizierungsprozess ist ein mehrjähriges Verfahren, wobei genau beobachtet und das Siegel nicht leichtfertig vergeben wird."

Sowohl Greenpeace als auch der WWF bieten Apps an, die Hinweise für den Einkauf bieten.

Ziel von "ÖkoKauf Wien" und der Stadt Wien ist es nun, Kriterien herauszuarbeiten, um grundsätzlich einen umfassend nachhaltigen Fischeinkauf sicherstellen zu können. Beispielsweise sollen zerstörerische Fangmethoden, wie Treib- und Bodenschleppnetze, ausgeschlossen und Mindestkriterien für Aquakulturen sichergestellt werden.

Idealer Ort für Bakterien

Wenn man von Aquakulturen spricht, muss laut dem Meeresbiologen Daniel Pauly unterschieden werden, ob darin Pflanzenfresser wie Krabben oder Karpfen gezüchtet werden oder aber fleischfressende Fische wie etwa Lachse, Forellen oder Saiblinge. Denn die Fleischfresser werden einerseits mit Fischmehl und Fischöl gefüttert und andererseits werden ihnen aufgrund der hohen Besatzdichte in den Zuchtbecken Antibiotika verabreicht. "Ein Haufen lebendiges Fleisch ist der ideale Ort für Bakterien. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche, dass sich hier Krankheiten entwickeln", so Pauly im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".