Dass ein Ordenspriester im Habit in aller Öffentlichkeit (und das ist YouTube ja) "Old McDonald had a farm" intoniert, ist allein schon kurios. Aber wenn er das dann noch in acht verschiedenen Musikstilen tut - Orientalisch, Metal, Klassik, Hip-Hop, Country, EDM, Gregorianischer Choral, Deep House  -, noch dazu mit bunten Perücken, dann fallen endgültig die Perlen aus dem Rosenkranz. Mit seinen "Old McDonald"-Variationen hat der Franziskaner Pater Sandesh Manuel jedenfalls einen veritablen YouTube-Hit gelandet.

Dem Ordensbruder, der inzwischen 3600 Abonnenten hat, ist natürlich bewusst, dass er mit seinem Musikprojekt einen ungewöhnlichen Weg beschreitet. "Die Ordensleitung war zunächst skeptisch, aber es hat mir nie jemand gesagt: ‚Das geht so nicht.‘ Ich tue ja auch niemandem weh, ich habe keine radikalen Botschaften. Es sind einfach fröhliche Lieder, die allerdings durchaus eine gewisse Tiefe haben." Der 39-Jährige, der ursprünglich aus Indien stammt und seit mehreren Jahren im Franziskanerkloster im 1. Wiener Gemeindebezirk lebt, hat auch den kleinen Vorteil, dass er irgendwie zwischen zwei Stühlen sitzt, was die Zuständigkeiten betrifft. In den Franziskanerorden war er schon mit 17 Jahren in Indien eingetreten. "Ich habe sehr schnell erkannt, dass das der Weg ist, den ich gesucht habe." Und nach 22 Jahren ist Pater Sandesh, der vor genau zehn Jahren zum Priester geweiht wurde, in seiner damaligen Entscheidung bestärkt.

In Alltagskleidung Ausgrenzung erlebt

Seine Auftritte als rappender Priester im Habit bescheren ihm Clicks von 15-Jährigen genauso wie von Senioren. "Das verrät mir die YouTube-Statistik." Seine Zielgruppe definiert er selbst so: "Leute, die nicht in die Kirche kommen, aber die auf der Suche sind, die möchte ich ansprechen. Alle Religionen predigen Freude und Friede und Liebe zum Nächsten - das will ich teilen." Dabei erlebt er gerade diese Nächstenliebe in Wien nicht immer. Der dunkelhäutige Geistliche fühlt sich oft allzu stark als Ausländer, sobald er den Habit abgelegt hat: "Wenn ich in Straßenkleidung unterwegs bin und nicht als Ordensmann erkennbar, passiert es mir öfters, dass die Leute in der U-Bahn von mir wegrücken." Online kommt dafür viel zurück: "Einige haben mir geschrieben, dass meine Lieder ihnen Trost spenden. Sie suchen auch den Kontakt zu mir, um sich über Gott und die Kirche auszutauschen, manche habe ich auch persönlich getroffen. Einer ist sogar in den Franziskanerorden eingetreten. Das ist eine große Motivation, mit meinen Videos weiterzumachen."

Im September 2018 hat er seinen YouTube-Kanal gestartet, im vergangenen Jahr hat er rund 50 Videos online gestellt, also im Durchschnitt eines pro Woche. Produziert werden die Clips mit Unterstützung seines Musiklehrers, der auch Tonmeister ist. "Er hat auch Struktur in meinen Online-Auftritt hineingebracht und sorgt für die entsprechende Qualität." Viele seiner Lieder sind Coversongs, manche Texte haben auch Freunde für ihn geschrieben. Er rappt also nicht nur englischsprachigen Pop, sondern es kann auch einmal passieren, dass er vor der Kamera mit der Akustikgitarre auf einer Wiese sitzt und mit seinem indischen Akzent Reinhard Meys Ballade "Mein Apfelbäumchen" singt.