Mit den Wahlärzten verhält es sich umgekehrt. Sie wurden im gleichen Zeitraum um rund 25 Prozent mehr. Derzeit sind es 3733. Sie füllen zu einem gewissen Grad die Lücke. Doch etwa 20 Prozent der Wiener sind armutsgefährdet. Sie können sich keinen Wahlarzt leisten. Auch in den Krankenhäusern werden Ärzte dringend gesucht.

"Der Ärztemangel ist ein europäisches Phänomen" sagt Szekeres. "Vier von zehn Medizinstudenten in Österreich gehen nach dem Studium ins Ausland. Die Jungmediziner werden regelrecht abgeworben." Bei Bewerbungsgesprächen hätte sich die Situation mittlerweile umgedreht. Nicht mehr der Bewerber buhlt um den Job, sondern das Krankenhaus um den Bewerber.

Unzufriedene Ärzte

Um den Mangel an Fachkräften zu kompensieren, fordert die Ärztekammer außerdem eine Entbürokratisierung ihres Arbeitsalltags. "Ärzte sollen sich auf die Patienten konzentrieren können und nicht einen Großteil der Arbeitszeit mit Terminvereinbarungen und dem Ausfüllen der Akten verbringen", sagt Szekeres. Dann würde auch mehr Zeit für die Patienten bleiben.

Derzeit hat ein Kassenarzt durchschnittlich sieben Minuten pro Patient. Die kurze Zeit steht diametral zu den langen Wartezeiten in den Praxen. Die Patienten fühlen sich schlecht behandelt, wie in der Massenabfertigung.

Für den Wiener Gesundheitsinfrastrukturreport wurden auch 500 Patienten, 276 Ärzte und 100 Manager zu ihrer subjektiven Einschätzung des Wiener Gesundheitssystems befragt. Die Manager zeigen sich überdurchschnittlich zufrieden. "Sie kennen sie Situation im Ausland und wissen, dass es in Wien nicht so schlecht funktioniert", sagt Studienautor David Ungar-Klein. Die Ärzte selbst malen das schwärzeste Bild. Nur 17 Prozent sind mit der Situation "sehr zufrieden".

Und Patienten wie Herr Koller? Überraschenderweise geben mehr als ein Viertel der Patienten die Höchstnote. Sudern tun sie trotzdem. Schließlich gilt es einen Ruf zu verlieren.