Dutzende Blechteile und Werkzeuge sind zu sehen. Fein säuberlich getrennt liegen sie auf einem großen Holztisch, der in der Mitte eines Arbeitsraumes einer Werkstatt steht. Eine Arbeitslampe wirft helles Licht auf ein dunkles Stück Blech, das auf einem Sandkissen liegt. Bernhard Hammer nimmt in die eine Hand eine kleine Punze - in die andere einen Ziselierhammer. Dann setzt er die Punze auf eine Stelle des rechteckigen Blechs, holt mit den Hammer in seiner rechten aus und schlägt leicht auf sie. Leichte Einkerbungen sind auf der Ober- wie Unterseite sofort zu erkennen. Dann legt er die beiden Werkzeuge zur Seite, nimmt eine Feile und schleift die zuvor bearbeiteten Stellen weiter nach. Dieses Stück müsse er noch weiter bearbeiten, erzählt Bernhard Hammer mit leiser Stimme. "Bis es fertig ist."

Beim Ziselieren werden metallische Oberflächen nicht geschnitten, sondern gedrückt oder getrieben, erzählt der Handwerker. Darauf entstehen reliefförmige Linien und Formen, die den Gegenstand fortan zieren. Seit Jahrtausenden ist diese alte Technik bekannt. Schon die Inka stellten auf diese Weise Schmuck her. Der Begriff "ziselieren" stammt aus dem Französischen "ciseler", was auf Deutsch so viel wie "meißeln" heißt. Hauptsächlich Metalle wie Bronze, Messing oder Silber bearbeiten Ziseleure heute. Zwei Arten dieser Technik sind sehr verbreitet: Beim Blechziselieren werden etwa Blechtafeln bearbeitet. Beim Gussziselieren entstehen gemeinsam mit einem Metallgießer Figuren, die dann weiter bearbeitet werden - zum Beispiel welche aus Bronze.

"Das alte Handwerk stirbt aus"

"Das alte Ziseleur-Handwerk stirbt aus", warnt Leonhard Palden, Landesinnungsgeschäftsführer der Metalltechniker in der Wirtschaftskammer Wien, zu deren Innung neben den Sattlern auch die Ziseleure gehören. "Es kommen einfach keine Jüngeren mehr nach." Insgesamt soll es noch 12 Gürtler geben, von denen nur noch eine Handvoll auch ziselieren können. Österreichweit sollen es rund 50 sein, schätzt der Innungsmeister. Seit dem Jahr 1990 gibt es auch keine Ausbildung mehr. Der Beruf des Ziseleurs ist heute freigegeben. Jeder kann, sofern er die Technik nachweist, ihn beim Magistrat anmelden. Auf die Technik komme es bei einem guten Ziseleur aber vor allem an, erläutert Bernhard Hammer.

Seit er in Pension ist, arbeitet er aber immer seltener. Doch das Wissen des Ziseleurs geht nicht verloren, freut sich Leonhard Palden; da es Ältere oft an Jüngere weitergeben. Seine Meisterprüfung konnte Bernhard Hammer etwa nicht mehr ablegen, da es früher schon keine Meister mehr gab, die sie ihm hätten abnehmen können. Als Befähigungsnachweis holte er sich den des Bronzearbeiters. Viele Stücke gingen in den vergangenen Jahrzehnten durch Hammers Hände: kleine wie große Tafeln, Figuren oder Bronzen. Wie viele es waren, könne er nicht sagen.