Nur zwölf Jahre war Wiens erste Shoppingmall am Karlsplatz in den 1920er Jahren in Betrieb. Danach wurde sie aufgrund der sich anbahnenden großen Wirtschaftsdepression abgerissen. Jetzt wurden im Zuge der begonnenen Generalsanierung des Wien Museums die Betonfundamente der alten Verkaufshallen (wieder)entdeckt.

Bisher wurde von einem Archäologen-Team knapp ein Meter in die Tiefe gegraben. Bis zu fünf Meter sollen noch freigelegt werden. Probleme mit dem Grundwasser des Wienflusses, der dazumal unterhalb des heutigen Areals verlief, dürfte es übrigens keine geben: Er wurde für den Bau des Einkaufszentrums umgeleitet.

Die Strukturen der ausgegrabenen Fundamente werden nun so genau wie möglich dokumentiert und festgehalten. Danach werden sie entfernt und das Projekt "Wien Museum Neu" soll im Sommer 2020 - mit einer im Gemeinderat beschlossenen Gesamtsumme von geschätzten 108 Millionen Euro - fortgesetzt werden. Die Wiener ÖVP kritisiert hier einmal mehr eine Kostenüberschreitung in Höhe von 23 Millionen Euro.

Kopfsteinpflaster von 1898. - © Krassay
Kopfsteinpflaster von 1898. - © Krassay

Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts spielte die Kostenfrage am Karlsplatz eine Rolle. Ursprünglich wollte Otto Wagner das von ihm entworfene Stadtmuseum auf dem Areal errichten. Nachdem der Bau aufgrund mehrerer Unstimmigkeiten nicht zustande kam, entstanden nach dem Ersten Weltkrieg dort Kaufhallen, um im stagnierenden Wien der Zwischenkriegszeit die Wirtschaft anzukurbeln. Hochwertige Waren wie Pelze, antike Uhren, aber auch Automobile und Motorräder konnten dort erworben werden. Inmitten der Hallen gab es sogar ein Gasthaus mit dem Namen "Erster Wiener Stadtheuriger".

Die freigelegten Betonfundamente der Einkaufshalle.
Die freigelegten Betonfundamente der Einkaufshalle.

Der erhoffte wirtschaftliche Aufschwung durch die Verkäufe blieb aber aus. Nachdem die große Depression 1930 die Stadt überrollte, verlor die Shoppingmall zunehmend an Bedeutung und wurde folglich 1934 abgerissen. In der allgemeinen Erinnerung haben die Hallen daher nur kaum Spuren hinterlassen. Sehr wohl aber in den Archiven. Dennoch haben die Funde für die Experten einige Überraschungen gebracht, besonders was die Bautechnik betrifft.

Weitere Funde erwartet

Der Bauplatz wurde einst aufgeschüttet und begradigt, fand man heraus. Da detaillierte Pläne aus der damaligen Zeit erhalten sind, kann der Grabungsleiter Martin Mosser die weiteren Arbeiten gut einteilen. "Die Stadt Wien ist voller Geschichten, die zwar nicht geheim sind, aber trotzdem niemand weiß", sagt Museumsdirektor Matti Bunzl. Die Archäologen werden in den nächsten Wochen weitergraben und schließen dabei römische Funde nicht aus.