Wien. Die Ärztekammer hat am Mittwoch Gesundheitsstadtrat Peter Hacker heftig kritisiert: Mit der Entfernung der OP-Wartelisten von der Website des Wiener Krankenanstaltenverbundes (KAV) fördere der Stadtrat die Intransparenz und schade dem KAV nachhaltig, meinte Wolfgang Weismüller, Vizepräsident und Obmann der Kurie angestellte Ärzte der Ärztekammer für Wien. Kritik gab es auch im Vorfeld vonseiten der Neos, die zum Thema Wartezeiten in den KAV-Spitälern bereits beim Stadtrechnungshof Wien eine Prüfung beantragt haben.

Die OP-Wartelisten, die sehr hohe Wartezeiten auf ausgewählte OP-Termine ausgewiesen haben, sind für Weismüller Beleg des Personalmangels und des desolaten Zustands des KAV. Auch das vor kurzem in der "Kronen Zeitung" aufgetauchte Foto von Gangbetten bringt der Vizepräsident hier ins Spiel. "Die jüngsten Handlungen von Hacker in puncto Gesundheitsversorgung zeugen von  einem schweren politischen Realitätsverlust und offenbar auch mangelnden Systemkenntnissen", sagte Weismüller.

"Wartezeiten wurden verzerrt dargestellt"


Im Büro des Stadtrates weist man die Vorwürfe entschieden zurück: Es handle sich wohl nur um einen weiteren Versuch der Ärztekammer, die Forderung nach zusätzlichen ärztlichen Dienstposten zu platzieren, hieß es auf Nachfrage. Die Wartelisten seien vom Netz genommen worden, weil es Verzerrungen gegeben habe. Und die Sache mit den Gangbetten habe sich als falscher Alarm erwiesen, weil die auf dem Foto abgebildeten Patienten vor der Unfallambulanz nur ein paar Minuten auf einen Träger gewartet hätten, erklärte ein Sprecher. Abgesehen davon seien Gangbetten eine Frage des Managements und nicht eine Frage, wieviel Ärzte in einem Krankenhaus arbeiten.

Die Verzerrungen auf der Onlineliste haben laut Stadtratbüro dazu geführt, dass Wartezeiten von bis zu 130 Tagen aufgeschienen sind.
Nach den ersten Vorwürfen habe der Stadtrat die Liste vom Netz genommen und eine Überprüfung der Liste angeordnet. "Herausgekommen ist, dass es unter anderem durch Selbstverschiebungen zu Verzerrungen gekommen ist", meinte der Sprecher. Das heißt, Patienten hatten jederzeit die Möglichkeit, ihre Operationstermine eigenhändig zu verschieben. Das habe etwa planbare Eingriffe wie Katarakte (grauer Star) betroffen bzw. neue Knie- oder Hüftgelenke.

Neues Programm in Arbeit


"Bei der Erstanmeldung beginnt die Uhr zu ticken - egal ob der Patient oder die Patientin den OP-Termin verschiebt oder nicht. Beträgt also nach der ersten Anmeldung die Wartezeit Hausnummer 30 Tage und der Termin muss neu vergeben werden, dann werden es auf der Liste plötzlich 60 Tage - und die fließen dann als Durchschnittswert für diese OP in die Liste ein ", erklärte der Sprecher. Deswegen soll das Programm für die Wartelisten jetzt auch in den kommenden Wochen und Monaten neu überarbeitet werden - damit man am Ende "echte" Wartezeiten herauslesen könne. Wie viele Wochen und Monate das dauern wird, konnte allerdings nicht beantwortet werden - man arbeite jedenfalls mit Hochdruck daran, wurde betont

Das nun vom Netz genommene Programm war im Übrigen bereits seit 2013 im Einsatz. Die Wartelisten mussten damals aufgrund einer bundesgesetzlichen Vorgabe online gestellt werden. Der KAV sei einer der ersten Krankenanstaltenbetreiber gewesen, die der Vorgabe nachgekommen seien. Warum hat man aber diese Verzerrungen in Wien erst jetzt entdeckt? "Das ist eine gute Frage", sagte der Sprecher.

Gangbetten: "stundenweise ja"


Was die Gangbetten betrifft, so wurde einmal mehr betont, dass es immer wieder vorkommen könne, dass Betten für ein paar Stunden am Gang abgestellt werden müssen - "weil die Patienten auf weitere Untersuchungen warten müssen oder weil sie mitten in der Nacht eingeliefert werden und erst in der Früh eingecheckt werden können." Aber dass Patienten für ein paar Nächte am Gang abgestellt werde, das gebe es de facto nicht mehr, wurde versichert:  "Stundenweise ja, aber sicher nicht mehr tagelang."