Von Mamas Brust zu trinken, ist das Allerbeste für ein Baby. Das "weiße Gold" enthält nicht nur Nährstoffe, Antikörper gegen Krankheiten und nützliche Bakterien, sondern stärkt auch die Bindung zwischen Mutter und Kind. Aber nicht jede Frau hat Milch, um ihren Sprössling stillen zu können.

Die Bedeutung der Muttermilch hat die Humanmilchbank, die aktuell im Krankenhaus Nord angesiedelt ist, schon lange erkannt: Seit 1907 wird Muttermilch in Kühlschränken gesammelt. Sie war einerseits die weltweit erste Muttermilch-Sammelstelle und ist andererseits auch die einzige, die es durchgehend seither gibt. Auch ist sie die einzige österreichweit, wo Privatpersonen Milch kaufen können - für sieben Euro pro Liter. Dass Muttermilch in den ersten sechs Lebensmonaten eines Kindes die beste Nahrung ist, belegen mittlerweile zahlreiche Studien und ist seit einigen Jahren wieder in den Köpfen der Menschen verankert. Demnach wächst auch die Nachfrage stetig.

Besser als Kuhmilch

Schon in den 1940er Jahren versuchte man Frauen mit Werbeplakaten zu Milchspenden zu motivieren. - © Krassay
Schon in den 1940er Jahren versuchte man Frauen mit Werbeplakaten zu Milchspenden zu motivieren. - © Krassay

Muttermilch wurde wohl schon ab dem Zeitpunkt gesammelt, an dem Menschen gemerkt haben, dass die Sterblichkeitsrate bei gestillten Kindern sinkt. Anders als bei Kindern, die mit gewässerter Kuh- oder Ziegenmilch oder die zu früh mit Brei gefüttert wurden. Allerdings fehlte schwer arbeitenden Frauen oft die Zeit zum Stillen, oder ihr Körper war zu sehr ausgelaugt: "Um stillen zu können, braucht der Körper Energie, Kohlenhydrate, Eiweiß und Fett. Die Unterernährung und die viele Arbeit hat maßgeblich zum ,Nicht-Stillen‘ beigetragen", sagt Martina Leising, Humanmilchbankbeauftragte des KH Nord, die für die Strategie und Entwicklung zuständig ist.

Zwei Fachgehilfinnen untersuchen unter strengen Hygiene vorschriften die Milch im Labor. - © KAV/Wachet
Zwei Fachgehilfinnen untersuchen unter strengen Hygiene vorschriften die Milch im Labor. - © KAV/Wachet

Gegründet wurde die Humanmilchbank im Kaiser-Franz-Josef-Spital, später übersiedelte sie kurz nach Glanzing und kam in den 1950er Jahren in die Semmelweisklinik. Dass in den 112 Jahren seit ihrer Gründung so viele andere Milchbanken schließen mussten, führt Leising auf zwei Gründe zurück. Einerseits gab es mit dem Aufkommen von HIV in den 70er Jahren Angst vonseiten der Mütter, dass die gespendete Milch infiziert sein könnte. Andererseits sanken mit dem Aufkommen der künstlichen Säuglingsnahrung die Stillraten und die Milchbanken verloren an Bedeutung. Dennoch wurde Muttermilch zu Pulver verarbeitet, nachdem die damalige Transportlogistik noch nicht auf dem heutigen Stand war. Das Milchpulver wurde dann in großen Mengen in Länder wie Kanada und Israel exportiert.

Bei dieser Prozedur wurde die Milch auf eine Art Fließband gesprüht, getrocknet und am Ende kam Pulver heraus. Milchpulver ist zwar sehr lange haltbar, wird aber heute aufgrund der hohen Produktionskosten nicht mehr erzeugt. "Von der Kosten-Nutzen-Rechnung macht das keinen Sinn", so Leising. Das heutige Tiefkühlprodukt ist drei Monate lagerbar und könnte somit weltweit exportiert werden. Doch zurzeit denkt die Humanmilchbank im KH-Nord nicht an Export für den globalen Markt, Käuferinnen gibt es aktuell nur aus Deutschland, Tschechien und der Slowakei.