Bei den Veranstaltungen achte man darauf, den Kindern den Wert und die Gleichwertigkeit von Sprachen näherzubringen. Die Büchereien versuchen zu vermitteln, wie trotz Unterschieden eine Klassengemeinschaft geformt werden kann. "Das geht bei uns oft leichter, weil es bei uns weniger Druck gibt." Für Besucher mit Migrationshintergrund gibt es Deutschkurse. Und das meistentlehnte Sachbuch war 2018 das "Österreichische Sprachdiplom Deutsch".

Natürlich sind die Büchereien nicht überall in Wien gleich erfolgreich. Es gibt es Gegenden, in denen weniger ausgeliehen wird. Simmering beispielsweise. "Die borgen sich dort vielleicht einmal ein einziges Buch aus. Und dann gibt es wieder Gegenden wie Liesing und Döbling, die gleich mehrere mitnehmen." Das habe mit Offenheit zu tun, aber auch mit dem Umgang mit Terminen.

"Ich habe einmal mitbekommen, wie ein Vater sein bettelndes Kind partout nicht einschreiben hat lassen", sagt Bazalka. Dabei ist die Jahreskarte für Kinder und Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr kostenlos. Grund für die Weigerung war, dass der Schwager des Vaters von Gebühren berichtet hatte, weil er Bücher zu spät zurückgegeben hatte. "Das hat schon geschmerzt, zu sehen, dass ein Kind will und Freude hätte, es ihm aber verweigert wird, weil die Eltern Angst haben, dass sie selbst die Fristen nicht einhalten können."

Open Library geplant

Das Entlehnverhalten ist laut Bazalka seit Jahren konstant mit leicht steigender Tendenz. Im Jahr 2018 haben die Büchereien knapp 1,5 Millionen Entlehnungen verzeichnet. In Planung ist die Erweiterung der Öffnungszeiten ohne personelle Besetzung. "Wir werden die erste Open Library in Österreich schaffen", erklärt Bazalka. Die Öffnungszeiten sollen so von 18 Uhr bis 21 oder 22 Uhr ausgeweitet werden. Natürlich ist das eine sicherheitstechnische Herausforderung. "Man wird die Bibliothek in dieser Zeit nur mit Ausweis betreten können, es gibt Videoüberwachung, die Bücher sind ohnedies transpondergesichert. Letztlich vertrauen wir aber auch einfach den Leser."